Enttäuschung: Dexcom G7 Clarity schätzt 6,7% und mein HbA1c liegt viel höher

von Saskia Leonhardt

Ich war, wie alle drei Monate, zur Quartalsuntersuchung bei meiner Diabetologin und habe meinen aktuellen HbA1c erfahren. Enttäuscht verwies ich auf meine Clarity Daten. Geschätzter GMI bei 6,7% und einen durchschnittlichen Glukosewert von 140mg/dl für 90 Tage. Ich war sprachlos. Irritiert. Enttäuscht. Mein gemessener HbA1c in der Praxis lag bei 8,2%. 

Warum hat der HbA1c so eine große Bedeutung?

Unsere Therapieziele sind ganz objektiv festgelegt. HbA1c unter 7% und die Time in Range (TIR) über 70%, bei einem definierten Zielbereich von 70mg/dl – 180mg/dl, laut den Praxisempfehlungen der Deutschen Diabetesgesellschaft (DDG). Es ist ja nicht so, als würde unser Leben nicht schon genug aus Zahlen und Berechnungen bestehen, dann wird man alle drei Monate bei der Quartalsuntersuchung auch noch auf genau zwei Werte oder auch nur den HbA1c reduziert. Seit Beginn meiner Diabeteskarriere drehte sich alles um den HbA1c. Bei einem zu hohen Wert, was leider oft der Fall war, drehte es sich nur darum, was ich jetzt verändern und besser machen kann. Mir suggerierte das: Ich bin nicht gut. Später wurde mein HbA1c genutzt um nach dem Belohnungsprinzip mich zu motivieren. Ja, so kam ich zu meinem zweiten Tattoo, aber was das mental für einen Druck in mir auslöste – lasst uns nicht drüber reden. 

Bis heute ist der HbA1c also ein wichtiger Wert für mich, an dem ich selbst meine Leistung messe und auch gemessen werde (Diabetologin, Diabetesberaterin, Famile, Freunde). 

Bei einem HbA1c von 8,2% war ich enttäuscht - nicht gut genug

und auf dem Weg von der Praxis zu meinem geparktem Auto antwortete ich meinem besten Freund: „Gut und dir?“, auf die Frage nach meinem Wohlbefinden. Verdrängen kann ich. Es dauerte gute 20 Minuten bis ich erkannt habe, dass es mir nicht gut geht und ich rief ihn an. 18 Minuten am Telefon zwischen Tränen, Wut, Verzweiflung und Aggressionen. 

Gedankenchaos

In dem weiteren Gespräch mit meiner Diabetologin stand im Raum, auf den Freestyle Libre 3 zu wechseln. Vielleicht liegt es am Dexcom G7? Einige von euch haben vielleicht mitbekommen, dass ich vor kurzem den DiaExpert Sensor ausprobiert habe und parallel zum G7 schon heftige Differenzen feststellen musste. Meine Diabetesberaterin riet mir daraufhin am Telefon den G7 jeden morgen (nüchtern) zu kalibrieren. Nur an der Umsetzung bin ich zwischen Kinder fertig machen, Brotdose vorbereiten und zur Arbeit fahren, gescheitert. Dementsprechend habe ich hier noch eine Option, die ich ausprobieren kann. 

Sollte es jedoch wirklich am Sensor liegen und mein HbA1c stimmen, dann wäre das der Grund für einen Wechsel. Wohin? Libre 3, vielleicht. Fakt ist, kein anderer Sensor außer der Dexcom G6 (welcher bis Ende 2026 nicht mehr erhältlich ist) und der Dexcom G7 lassen sich in meinem DIY Loop mit dem Dash Pod integrieren. Doch, der Freestyle Libre 2, aber der ist aufgrund der Klage von Dexcom nur noch in Europa, jedoch nicht mehr in Deutschland erhältlich. Und weil wir gerade in meinem Gedankenchaos sind: Warum müssen sich die Firmen gegenseitig ständig verklagen? Wir müssen das aussitzen auf Kosten unserer Therapieversorgung. By the way: Abbott verklagt auch gerade Mediq Diabetes wegen des DiaExpert Sensors und unzählige Patienten bekommen diesen aktuell nicht. Mediq Diabetes musste den Vertrieb komplett einstellen! Und es macht mich wütend. Jetzt soll ich noch zum Libre wechseln? Willkommen in meinem Kopf: Libre, ohne DIY Loop. Also Ypsopump mit CamAPS? Wäre schon nice, zurück zu meiner geliebten Pia zu kommen, aber es würde mich auch enorme Einschränkungen kosten im Sinne des alltäglichen Aufwandes, Lebensqualität und generellen Umstellung. Ich müsste die Kontrolle meines DIY Loops abgeben für ein selbstlernendes AID-System, welches ich wesentlich weniger steuern und beeinflussen kann. 

Das ist mir gerade alles zu viel - aber ich brauche eine Antwort - eine Lösung

Danke für all eure Ideen und Nachrichten. Darunter war ein Hinweis von Mia, die mir einen Artikel zu einer Studie schickte bezüglich des HbA1c-Wertes und dessen Individualität. Wir haben alle nicht das selbe Glykierungsverhältnis. Kurz zu Erklärung: der HbA1c spiegelt die „Verzuckerung“ unserer roten Blutkörperchen wieder. Wenn Person A einen durchschnittlichen Gewebeglukosewert von 154mg/dl und dazu passend einen HbA1c von 7%, kann Person B einen höheren/niedrigen HbA1c bei selben durchschnittlichen Wert haben. Unsere roten Blutkörperchen „verzuckern“ unterschiedlich und mit dem persönlichen Glykierungsverhältnis kann dann der persönliche HbA1c-Wert (pA1c) berechnet werden. 

Hb - Hämoglobin - Erythrozyten

Mich hat das auf eine Idee gebracht. In erster Linie würde ich den HbA1c nicht wirklich anzweifeln, aber was wenn er doch nicht stimmt. Mein letztes Blutbild vom 16.02.2026 war relativ auffällig und alle Werte beziehen sich auf die roten Blutkörperchen und deuten auf einen Eisenmangel hin. Eisen wurde aber leider nicht bestimmt. Ein leidiges und bekanntes Thema für mich. In der Vergangenheit hatte ich immer wieder niedrige Eisen- und Eisenspeicherwerte, weshalb ich Infusionen bekam. Die orale Supplementation vertrage ich nicht (RDS) und obwohl ich das weiß, habe ich keinen Zusammenhang zu meinem HbA1c hergestellt. 

wie sich ein Eisenmangel auf den HbA1c auswirkt

Eisen ist ein wesentlicher Faktor zur Bildung neuer roter Blutkörperchen. Bei einem Mangel werden also weniger gebildet und die bestehenden Blutkörperchen leben länger. Länger als die vorgesehenen 120 Tage. Wenn also ein Blutkörperchen viel länger lebt ist es natürlich „verzuckerter“ als ein kürzer Lebendes bei selben Blutzuckerwerten. Das scheint mir gerade ziemlich wahrscheinlich, weil genau die aussagekräftigen Werte zu meinen roten Blutkörperchen in meinem letzten Blutbild auffällig waren. 

Erythrozyten 5,49 + (Anzahl der vorhandenen roten Blutkörperchen)
MCV (E) 77,2 – (Volumen der roten Blutkörperchen)
MCH (E) 25,3 – (Hämogobin pro Blutkörperchen)
Red Cell Distribution Width 16,3 + (Größenunterschied der roten Blutkörperchen)

Jetzt wundern wir uns natürlich wieso meine Hausärztin nichts gesagt hat… und selbst, obwohl sie mir schon mehrere Infusionen gelegt hat, nicht den Eisenstatus bestimmen wollte… aber okay. Machen wir es selbst. Ich habe am 13.04.2026 ein Termin bei meiner Diabetologin zur Blutabnahme und weil mir das zu lange hin ist, mache ich das Montag in meiner Praxis (meinem Arbeitsplatz) selbst und zahle das anschließend. 

HbA1c am 20.03.2026 bei 7,4%

Meinen Arbeitsplatz habe ich mir auch gestern zum Vorteil gemacht, denn ich habe dort auch einmal meinen HbA1c mit Kappilarblut bestimmt.
– 7,4%, noch ein Wert mehr… der aber wesentlich wahrscheinlicher auch zu meinem GMI von 6,7% passt. Ich tendiere also wirklich eher in diesem Bereich zu einer Fehlmessung, möchte aber trotzdem auch den Dexcom G7 checken, indem ich mir jetzt parallel dazu noch einen Freestyle Libre 3+ setze und mein Rezept über neue Teststreifen einlöse um wirklich häufiger blutig zu messen. 
Die Werte teile ich auf Instagram mit euch und bin gespannt, wo die Reise hingeht. 

Habt ihr solche Erfahrungen gemacht? Ich bin für Tipps und Anregungen super dankbar. Lasst es mich gern wissen 

Quellen: 
R. Landgraf u. a., Therapie des Typ-2-Diabetes, in: Diabetologie und Stoffwechsel 18 (2023), Suppl. 2, S. 162–217, online verfügbar unter: https://www.ddg.info/fileadmin/user_upload/05_Behandlung/01_Leitlinien/Praxisempfehlungen/2023/dus_2023_Praxisempfehlungen_Landgraf_Therapie-Typ-2-Diabetes.pdf (Zugriff am: 20.03.2026).

Reno Barth, HbA1c: Personalisierung des Langzeitzuckerwerts wird konkreter, Universimed – Diabetologie & Endokrinologie, 06.11.2024, online verfügbar unter: https://www.universimed.com/at/article/diabetologie-endokrinologie/hba-personalisierung-langzeitzuckerwerts-452132 (Zugriff am: 20.03.2026).

Möchtest du weiterlesen?

Hinterlass' mir gerne einen Kommentar

HILFSMITTELVERSORGUNG