Diabetes Typ 1 Neumanifestation

von Saskia Leonhardt

Wenn das Schicksal alles auf den Kopf stellt

Diabetes zu bekommen sucht man sich nun wirklich nicht aus – also schade, dass du hier her gefunden hast. Doch schön, dass wir uns kennenlernen. 

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie mich meine Mama, zittrig, durstig und 10kg leichter zum Hausarzt schleppte und dachte, dass ich mir in Spanien, wo ich zuvor 3 Wochen war, etwas eingefangen haben. Ein Virus der nach ein paar Tagen wieder abklingt wäre uns wohl allen lieber gewesen, doch mein Blutzucker war jenseits der 500mg/dl und der Typ 1 Diabetes manifestiert. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich gar nicht, dass mich diese Erkrankung für immer begleiten würde. Links hielt ich die Hand meiner Mama, rechts die Einweisung ins Krankenhaus, wo ich sofort Insulin spritzte. Erst ein paar Tage später, als ich wieder die Nadel auf den Pen drehte, fragte ich meine Mama, wie lange ich das noch machen muss und wann ich wieder gesund bin. Erst da realisierte ich, dass ich nun eine lebenslange zusätzliche Aufgabe haben werde und die Tränen meiner Mama ließen mich wissen, dass sie es mir am liebsten abgenommen hätte. 

Ich war 12 Jahre alt und wollte mich lieber mit nervigen Mathehausaufgaben herumschlagen, doch stattdessen musste ich in den Sommerferien lernen, wie man Kohlenhydrate berechnet, Insulineinheiten bestimmt und injiziert sowie alles weitere bewältigt, was der ständige Begleiter so verlangt. Doch ich muss gestehen, um so mehr ich gelernt habe, um so mehr funktionierte es. Ich fühlte mich besser. Sicherer – und auch heute lerne ich immer noch was dazu. 

Anatomie und Physiologie

Die Bauchspeicheldrüse ist 14-18cm lang, 70g schwer und liegt im Oberbauch. Sie hat eine exokrine und eine endokrine Funktion. Die exokrine Funktion findet hauptsächlich im Pankreaskopf und -körper statt. Dort werden Enzyme zur Verdauung von Eiweißen, Kohlenhydraten und Fetten gebildet. Die endokrine Funktion umfasst die Hormonbildung: Glucagon, Insulin, Somatostatin, Pankreatisches Polypeptid und Ghrelin. Sie werden in verschiedenen Zelltypen gebildet, die zusammengefasst als Langerhans-Inseln bezeichnet werden. Vom Pankreas aus gelangen diese Hormone direkt in den Blutkreislauf.

Glucagon ist das Hormon, welches von den α-Zellen gebildet wird und zum Blutzuckeranstieg beiträgt. In der Leber kommt es zum Abbau von Glykogen (Speicherform von Glucose) und somit zur Erhöhung des Blutzuckerspiegels. Das Hormon Insulin hingegen wird in den β-Zellen gebildet und ist der Gegenspieler zum Glucagon und somit für die Blutzuckersenkung verantwortlich.

 

Der Blutzuckerspiegel gibt an, wie viel Glucose (Zucker) sich in der Blutlaufbahn befindet. Optimal liegen die Werte zwischen 80mg/dl – 120mg/dl. Ziel unseres Körpers ist es diesen Spiegel im Normbereich zu halten. Wenn durch die Nahrungsaufnahme der Blutzuckerspiegel steigt schüttet die Bauchspeicheldrüse, zur Senkung, das Hormon Insulin aus. Fällt der Blutzuckerspiegel ab, sorgt das Hormon Glucagon oder die Nahrungsaufnahme zur Steigerung.

 

Diabetes Typ 1 ist eine autoimmune Stoffwechselerkrankung, beruhend auf dem vollständigen Insulinmangel, nach Zerstörung der körpereigenen, insulinproduzierenden Betazellen. Es kommt zu einer Immunreaktion wobei sich T-Lymphozyten und Antikörper der spezifischen Immunabwehr gegen die körpereigenen Betazellen richten und die Struktur zerstören. Daraus resultiert der komplette Insulinmangel. Die Ursache ist noch unklar, doch kann man eine erbliche Disposition und eine familiäre Häufigkeit feststellen. Zudem gibt es weitere Hypothesen, die aber nicht bestätigt sind. Doch ganz wichtig zu wissen ist, dass niemand etwas für die Entstehung des Typ 1 Diabetes kann.

INSULIN

Weitere Faktoren, die den Blutzuckerspiegel senken können: 

  • Sport
  • Stress
  • Magen-Darm-Infekte

Weitere Faktoren, die den Blutzucker ansteigen lassen:

  • Glucagon (Gegenspieler zum Insulin)
  • Hormone / Dawnphänomen
  • Erkältung / allgemeine Infektionen
  • Menstruation / Eisprung
  • Stress / Aufregung (Adrenalin)

Selbstmanagement

Typ 1 Diabetes bedeutet, das komplette Selbstmanagement der eigenen Blutzuckerregulierung und stellt damit einen zusätzlichen Vollzeitjob dar. Mehrmals täglich müssen Therapieentscheidungen getroffen werden auf Grund des Blutzuckerwertes, der bevorstehenden Mahlzeit, unter Berücksichtigung von KE-Faktor, Korrektur-Faktor und eventuellen Aktivitäten/Bewegung.  

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Hypoglykämie

UNTERZUCKERUNGEN

Bei Werten unterhalb des Zielbereiches fühlt man sich schlapp, zittrig und neben der Spur. In einer solchen Situation sollte man schnelle Kohlenhydrate (Traubenzucker) zu sich nehmen und vielleicht auch noch langwirksame Kohlenhydrate, die den Blutzucker wieder stabilisieren. Oftmals werden Unterzuckerung als sehr gefährliche und prägende Ereignisse wahrgenommen und zum Teil auch gefürchtet. Stimmt, wer möchte schon gerne Untrzuckerungen haben? Deswegen ist es ein Ziel der Diabetestherapie diese zu reduzieren/vermeiden. 

Doch auch während einer Unterzuckerung wirkt unser Körper dagegen an. In der Leber befindet sich gespeicherter Zucker (Glykogen), der durch das Hormon Gucagon freigesetzt wird. 

Hyperglykämie Coma diabeticum

DIABETISCHE KETOAZIDOSE (DKA)

Ketone entstehen bei dem Abbau von Fett zur Energiegewinnung. Bei einer kohlenhydratarmen Ernährung ist das bestehen von Ketonen also normal. Bei Menschen mit Typ 1 Diabetes können Ketone jedoch auch entstehen sobald ein Insulinmangel vorhanden ist. Sind ausreichend Kohlenhydrate vorhanden, die aber wegen dem fehlenden Insulin (kein Schlüssel) nicht in die Zellen gelangen, um als Enegiequelle genutzt zu werden, braucht der Körper woanders her seine Energie. Hier beginngt der Fettabau und die Entstehung von Ketonen, die eher ungesund für den Körper sind. 

Für den Umgang mit positiven Ketone sollte man durch die diabetologische Praxis geschult sein. Wichtig ist nämlich die richtige Reaktion und Insulinzuführung, anderenfalls stellt die Ketoazidose nämlich eine lebensbedrohliche Gefahr dar. Jeder hat Mal positive Ketone, die sich gut in den Griff bekommen lassen, mit dem entsprechenden Hintergrundwissen. Wenn man jedoch nicht auf die Anzeichen reagiert werden aus den positiven Ketonen eine Ketoazidose. Azidose beschreibt dabei den Zustand der Übersäuerung des Körpers. Der pH-Wert fällt also lebensbedrohlich ab. Hier wird eine intensivmedizinische Behandlung notwendig.  

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2 Kommentare

Bärbel Puls 28. August 2017 - 11:49

Eine sehr informative Seite, die Betroffenen mit Sicherheit weiterhilft. Immer mehr Ärzte und Heilpraktiker sagen aber auch ganz klar: Wer seinen Lebensstil ändert, sich gesünder ernährt und sich viel bewegt, kann seine Diabetes in den Griff bekommen. Auch diverse Studien belegen, dass – mit Änderung des Lebensstils – die sogenannte „Altersdiabetes“ vermieden bzw. positiv beeinflusst werden kann. Einige meiner Blogbeiträge zeigen auf, was Betroffene tun können. So unter anderem auch in diesem Artikel: https://www.wirksam-heilen.de/blog/altersdiabetes-war-gestern/

Herzlichst Bärbel Puls – Verlag Wirksam Heilen (www.wirksam-heilen.de/blog/)

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Sarah Schneiderheinze 29. April 2018 - 10:05

Hallo liebe Saskia, ich finde deinen Artikel super!
Leider hab ich mit 26 Jahren seit 2 Jahren auch schon Typ 2, da ich aufgrund eines falschen Medikaments ziemlich zugenommen habe. Und zusätzlich hab ich eine riesen Erbanlage für Typ 2. Super….
Im Moment bringen weder gesund Essen, Bewegung noch Metformin was. Werte hoch, HbH1 super. Muss man das verstehen? 🧐
Ich finde deinen Blog generell super, weil du auch viel schreibst was mir mit Typ 2 hilft!
Liebe Grüße

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