Neumanifestation

Typ 1
Diabetes

Bild: ©2017 Georg Thieme Verlag KG, URL (Stand: 12.03.2017)

Die Bauchspeicheldrüse ist 14-18cm lang, 70g schwer und liegt im Oberbauch. Sie hat eine exokrine und eine endokrine Funktion. Die exokrine Funktion findet hauptsächlich im Pankreaskopf und -körper statt. Dort werden Enzyme zur Verdauung von Eiweißen, Kohlenhydraten und Fetten gebildet. Die endokrine Funktion umfasst die Hormonbildung: Glucagon, Insulin, Somatostatin, Pankreatisches Polypeptid und Ghrelin. Sie werden in verschiedenen Zelltypen gebildet, die zusammengefasst als Langerhans-Inseln bezeichnet werden. Vom Pankreas aus gelangen diese Hormone direkt in den Blutkreislauf.

Glucagon ist das Hormon, welches von den α-Zellen gebildet wird und zum Blutzuckeranstieg beiträgt. In der Leber kommt es zum Abbau von Glykogen (Speicherform von Glucose) und somit zur Erhöhung des Blutzuckerspiegels. Das Hormon Insulin hingegen wird in den β-Zellen gebildet und ist der Gegenspieler zum Glucagon und somit für die Blutzuckersenkung verantwortlich.

Der Blutzuckerspiegel gibt an, wie viel Glucose (Zucker) sich in der Blutlaufbahn befindet. Optimal liegen die Werte zwischen 80mg/dl – 120mg/dl. Ziel unseres Körpers ist es diesen Spiegel im Normbereich zu halten. Wenn durch die Nahrungsaufnahme der Blutzuckerspiegel steigt schüttet die Bauchspeicheldrüse, zur Senkung, das Hormon Insulin aus. Fällt der Blutzuckerspiegel ab, sorgt das Hormon Glucagon oder die Nahrungsaufnahme zur Steigerung.

Was ist

TYP 1 DIABETES

Diabetes Typ 1 ist eine autoimmune Stoffwechselerkrankung, beruhend auf dem vollständigen Insulinmangel, nach Zerstörung der körpereigenen, insulinproduzierenden Betazellen. Es kommt zu einer Immunreaktion wobei sich T-Lymphozyten und Antikörper der spezifischen Immunabwehr gegen die körpereigenen Betazellen richten und die Struktur zerstören. Daraus resultiert der komplette Insulinmangel. Die Ursache ist noch unklar, doch kann man eine erbliche Disposition und eine familiäre Häufigkeit feststellen. Zudem gibt es weitere Hypothesen, die aber nicht bestätigt sind. Doch ganz wichtig zu wissen ist, dass niemand etwas für die Entstehung des Typ 1 Diabetes kann.

Polyurie – häufiges Wasserlassen

Polydipsie – erhöhte Flüssigkeitszufuhr auf 4 – 5 Liter tägl.

allgemeine Gewichtsabnahme

trockene, gereizte Haut, Leistungs- und Konzentrationsschwäche

ausgeprägte Abgeschlagenheit und Müdigkeit

Ketoazidose, ketoazidotisches Koma

allgemeine Schwäche und Schwindelgefühl

Zittern, Muskelschwäche bis hin zu Krampfanfällen

Herzklopfen und Herzrasen (Tachykardie)

Blässe und Kaltschweißigkeit

Heißhunger

Verwirrtheit / Benommenheit

Sprach- und Sehstörungen

Parästhesien

Verhalten: Sobald der Blutzucker zu niedrig ist, sollte man sofort Kohlenhydrate zu sich nehmen. Am besten schnellwirkende Kohlenhydrate, also Lebensmittel mit einem hohen glykämischen Index (Traubenzucker, alle Produkte mit Einfach-Zucker). Zusätzlich sollte man auch langsam wirkende Kohlenhydrate zu sich nehmen, um den Blutzucker stabil zu halten.

Leistungsschwäche / Konzentrationsverlust

erhöhtes Durstgefühl

vermehrte Toilettengänge

Mundtrockenheit / trockene Schleimhäute

Der HbA1c gibt den durchschnittlichen Blutzuckerwert der letzten drei Monate an. Hier wird gemessen, wie „verzuckert“ das Hämoglobin der roten Blutkörperchen ist. Der Wert wird in Prozent angegeben und  ein Mal im Quartal in der diabetologischen Praxis abgenommen. 


Ziel- und Normwerte: 

Normalerweise liegt der HbA1c unter 5,6 %. 

Bei Menschen mit Diabetes ist es das Ziel einen HbA1c unter 7,5% zu haben. Dies entspricht einem ungefähren durchschnittlichen Blutzucker von 170mg/dl. 

 

INSULIN

Insulin wirkt immer senkend auf den Blutzucker. 

 

Weitere Faktoren, die den Blutzucker senken: 

Sport
Stress
Magen-Darm-Infekte

Kohlenhydrate erhöhen immer den Blutzucker.

 

Weitere Faktoren, die den Blutzucker ansteigen lassen:

Glucagon (Gegenspieler zum Insulin)

Hormone / Dawnphänomen

Erkältung / allgemeine Infektionen

Menstruation / Eisprung

Stress / Aufregung (Adrenalin)

 

KOHLENHYDRATE

Selbstmanagement

Typ 1 Diabetes bedeutet, das komplette Selbstmanagement der eigenen Blutzuckerregulierung und stellt damit einen zusätzlichen Vollzeitjob dar. Mehrmals täglich müssen Therapieentscheidungen getroffen werden auf Grund des Blutzuckerwertes, der bevorstehenden Mahlzeit, unter Berücksichtigung von KE-Faktor, Korrektur-Faktor und eventuellen Aktivitäten/Bewegung.  

Unsere Mahlzeiten, die aus Kohlenhydrate, Proteinen und Fetten bestehen, erhöhen den Blutzucker. Ein gesunder Körper würde an dieser Stelle automatisch Insulin freigeben, da wir das nicht haben, muss es gespritzt werden. Aber wie viel? Kohlenhydrate werden in KE umgerechnet. 10g Kohlenhydrate sind dabei 1 KE und der Diabetologe legt fest, wie viele Einheiten Insulin für 1 KE gespritzt werden müssen. Der sogenannte KE-Faktor. 

Der vom Arzt festgelegte KE-Faktor gibt an, wie viele Insulineinheiten für 1 KE gespritzt werden. Bei einem Faktor von 1:2 und einer gegessenen KE müssen also zwei Insulineinheiten gespritzt werden. Der KE-Faktor kann auch tageszeitabhängig variieren. 

Beispiel: 
KE-Faktor morgens: 1:2, KE-Faktor mittags: 1:1, KE-Faktor abends: 1:1,5

Bei einem erhöhten Blutzucker wird zusätzlich noch eine Korrektur gespritzt. Auch hier legt der Diabetologe den Korrektur-Faktor fest z.B. mit 1:30. Das bedeutet 1 Einheit Insulin reduziert den Blutzucker um 30mg/dl. Bei einem Ausgangswert von 210mg/dl benötigt man also zusätzlich noch 3 weitere Insulineinheiten um wieder in den Zielbereich (bei meiner Rechnung 120mg/dl) zu gelangen. Auch der Zielwert wird vom Diabetologen festgelegt.

Der Spritz-Ess-Abstand meint, dass erst Insulin injiziert, dann gewartet und erst nach einer bestimmten Zeit gegessen wird. Da schnellwirkende Insuline erst nach 10-20 Minuten zu wirken beginnen, möchte man so den physiologischen Effekt bei einer Nahrungsaufnahme nachahmen. Besonders bei Nahrungsmitteln mit einem hohen glykämischen Index bewirkt die Therapieentscheidung, dass der postprandiale Wert (Blutzuckerwert nach der Nahrungsaufnahme) nicht so arg in die Höhe steigt. 

Grundsätzlich dreht sich in der Diabetestherapie alles um Kohlenhydrate (KE), aber auch Fett und Eiweiß nehmen Einfluss auf die Kohlenhydrataufnahme. Bei einer fettigen Mahlzeit, wie beispielsweise einer Pizza, die ungefähr 10KE beinhaltet, muss also berücksichtig werden, dass der hohe Fettanteil dafür sorgt, dass die 10KE verlangsamt aufgenommen werden. Oftmals werden die Kohlenhydrate erst Stunden später durch die Erhöhung des Blutzuckerspiegels sichtbar. 

FPE’s, also Fett- und Proteineinheiten werden aus Kalorien errechnet. 100 kcal die aus Fett und Eiweiß bestehen ergeben damit eine FPE. Wie mit dieser FPE verfahren wird, sollte mit dem behandelnden Diabetologen besprochen werden. 

Hypoglykämie

UNTERZUCKERUNGEN

Bei Werten unterhalb des Zielbereiches fühlt man sich schlapp, zittrig und neben der Spur. In einer solchen Situation sollte man schnelle Kohlenhydrate (Traubenzucker) zu sich nehmen und vielleicht auch noch langwirksame Kohlenhydrate, die den Blutzucker wieder stabilisieren. Oftmals werden Unterzuckerung als sehr gefährliche und prägende Ereignisse wahrgenommen und zum Teil auch gefürchtet. Stimmt, wer möchte schon gerne Untrzuckerungen haben? Deswegen ist es ein Ziel der Diabetestherapie diese zu reduzieren/vermeiden. 

Doch auch während einer Unterzuckerung wirkt unser Körper dagegen an. In der Leber befindet sich gespeicherter Zucker (Glykogen), der durch das Hormon Gucagon freigesetzt wird. 

Hyperglykämie Coma diabeticum

DIABETISCHE KETOAZIDOSE (DKA)

Ketone

Ketone entstehen bei dem Abbau von Fett zur Energiegewinnung. Bei einer kohlenhydratarmen Ernährung ist das bestehen von Ketonen also normal. Bei Menschen mit Typ 1 Diabetes können Ketone jedoch auch entstehen sobald ein Insulinmangel vorhanden ist. Sind ausreichend Kohlenhydrate vorhanden, die aber wegen dem fehlenden Insulin (kein Schlüssel) nicht in die Zellen gelangen, um als Enegiequelle genutzt zu werden, braucht der Körper woanders her seine Energie. Hier beginngt der Fettabau und die Entstehung von Ketonen, die eher ungesund für den Körper sind. 

Für den Umgang mit positiven Ketone sollte man durch die diabetologische Praxis geschult sein. Wichtig ist nämlich die richtige Reaktion und Insulinzuführung, anderenfalls stellt die Ketoazidose nämlich eine lebensbedrohliche Gefahr dar. Jeder hat Mal positive Ketone, die sich gut in den Griff bekommen lassen, mit dem entsprechenden Hintergrundwissen. Wenn man jedoch nicht auf die Anzeichen reagiert werden aus den positiven Ketonen eine Ketoazidose. Azidose beschreibt dabei den Zustand der Übersäuerung des Körpers. Der pH-Wert fällt also lebensbedrohlich ab. Hier wird eine intensivmedizinische Behandlung notwendig.  

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