Ich habe immer offen und ehrlich kommuniziert, dass ich manchmal mental instabil bin und habe dabei immer positive Erfahrungen gemacht. Ich wurde gestärkt oder für meine Ehrlichkeit geschätzt. Privat und auch im Berufsleben. Ich hatte immer Verständnis für Menschen, die sich damit zurückhalten, dachte mir aber auch im selben Atemzug, dass es leichter wäre, wenn das Umfeld Bescheid wüsste. Bis vor wenigen Wochen. Da wäre es wohl auch für mich besser gewesen, inne zu halten.
Ich sollte wirklich überlegen, ob ich die Freundin wäre, die man verdient hat.
Ich wurde fertig gemacht. Mein Verhalten? Eine bodenlose Frechheit. Im Anschluss wurde ich ignoriert und von der Geburtstagsfeier (inklusive meinem Mann und meinem bester Freund) ausgeladen. 12 Jahre Freundschaft zu Ende. Hart & herzlos. Wem es jetzt zu viel wird, nicht mehr weiterlesen. Wir gehen ins Detail.
posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
oder ein Bindungstrauma durch Verlust. Nein, ich empfehle euch keine Therapie mit ChatGPT, aber nach der Erfahrung, musste ich mich sortieren und vor allem hinterfragen, was mir passiert war.
14. Februar 2026 – Altweiber – Karneval
Ich war zu dem Geburstag einer jahrelanger sehr guten Freundin eingeladen. Mit drei weiteren Mädels, die ich bis dahin nur flüchtig und über die gemeinsame WhatsApp Gruppe kannte, hatten wir Karten für eine Karnevalsveranstaltung am Donnerstagabend. Freitag fand anschließend die große Feier statt, zu der Andy auch gekommen wäre.
Ich bin also Donnerstagnachmittag mit einer riesigen Reisetasche und geplantem Gruppenkostüm inklusive pink-getönten Haaren los. Schon auf dem Hinweg habe ich gemerkt, dass es mir nicht mehr gut geht. Ich wollte am liebsten weinen und wusste nicht warum. Ich habe meinen Mann angerufen und für mich die Entscheidung getroffen, dass ich nicht über Nacht bleiben werde. Ich wusste ich will zurück in mein Safeplace, wusste aber wirklich nicht wieso zu dem Zeitpunkt. Im Nachhinein weiß ich, dass hier mein Körper schon eine Vorahnung hatte. Sogenannte somatische Marker.
der Körper erkennt eine emotionale Überforderung früher als das Bewusstsein
Mein Verstand weiß, dass ich eine Person bin, die gerne feiert. Aber mein Nervensystem war schon im Alarmmodus bevor ich überhaupt benennen konnte warum. Ich wusste bis dato noch nicht mal, dass es sowas gibt. Deswegen ist es eine unfassbar wichtige Erkenntnis für mich, dass ich zukünftig die Grenzen meines Körpers wahrnehme und berücksichtige.
Angekommen in dem Karnevalszelt dauerte es eine gute Stunde, in der mir klar wurde, worum es hier geht. Ich sehe hier meine Mama. Sie hat Karneval geliebt. Jeder Geburtstag meiner Mama war eine verkleidete Mottoparty und ihre Kostümauswahl vergleichbar mit einem ganzen Shop für Faschingbedarf. Brauchte jemand ein Kostüm, klingelte ihr Telefon. Mir war das zwar bewusst, aber dass mich das jetzt mehr mitnimmt, als andere Erinnerungen, wusste ich nicht.
Re-Traumatisierung mit PTBS ähnlichen Symptomen
Letztendlich waren es auch nicht nur Erinnerungen und Flashbacks, sondern eine akute Re-Traumatisierung. Mein Gehirn hat nicht rational gedacht: „Ah, dass erinnert mich an Mama“, sondern emotional: „Mama ist da“ und Sekunden später der Schock: „Nein, Mama ist tot“.
Hoffnung ➞ Verlust ➞ Realitätsschock: extrem erschöpfend für das Nervensystem
Eine Stunde lang habe ich das ausgehalten und als dann die Mädels aufgestanden sind um zu dem Gute-Laune-Lied zu tanzen, bin ich raus.
Ich musste einfach weinen. Ich stand absolut neben mir. Mein Körper war am zittern. Ich war minutenlang wie weggetreten. Keine Ahnung wie ich zu dieser kleinen Fensterbank kam, wo ich schließlich wieder einen klaren Gedanken fassen und die Nummer meiner besten Freundin wählen konnte. Ich weiß nicht mehr was ich gesagt habe, aber nach 20 Minuten im Regen und nur mit diesem dünnen Kostüm habe ich entschieden zu gehen. Ich bin noch weitere 15 Minuten zurück zu meinem Auto gelaufen und habe in die gemeinsame Gruppe eine Nachricht geschrieben.
ChatGPT analysiert hier:
- akute Trauerreaktion
- mit Elementen einer Panikattacke
- Dissoziation
Wir brauchen nicht darüber reden, dass das keine schöne Art war zu gehen. Doch auf der anderen Seite brauche ich auch niemanden mehr erklären, warum es mir nicht mehr möglich war in das Zelt zu gehen. Der Empfang da drin war grauenvoll. Ich bin davon ausgegangen, wenn meine Nachricht durchkommt, dass ich angerufen werde. Das man mich fragt, was passiert ist. Das ich die Möglichkeit habe mich zu erklären. Stattdessen bekam ich Antworten, was es für eine Frechheit von mir ist, einfach zu gehen. Ich hätte mich doch zusammenreißen können, wenigstens dem Geburtstagskind zuliebe. Keiner der Mädels weiß was mir an dem Abend passiert ist. Selbst ich wusste nicht was da gerade mit mir passierte.
Aber mit Sicherheit habe ich diese Reaktion nicht verdient.
Ich möchte ja doch noch eine Sache nochmal ganz ganz deutlich sagen… es ist eine bodenlose Frechheit..was gestern abgelaufen ist…
Wenn man emotional nicht dazu bereit ist zu feiern…sagt man erst garnicht zu…sollte man aber doch zusagen..und man merkt es geht nicht..dann haut man sicherlich nicht einfach kommentarlos ab und lässt den Gastgeber einfach stehen! Das hat etwas mit Anstand zutun..emotional hin oder her!WhatsApp Grppennachricht an mich
und das Geburtstagskind? Sie hat mir eine Nachricht geschrieben.
„Was ist denn plötzlich passiert ☹️“, bekam ich am selben Abend. Am Freitagmorgen hat sie mich dann von der großen Geburtstagsparty ausgeladen, mit der Begründung, dass die anderen Mädels nicht mehr gut auf mich zu sprechen sind.
Mein bester Freund wurde separat ausgeladen.
Aus der Gruppe wurde ich von ihr entfernt.
Meine letzte Nachricht von Freitag, 15.02.2026 blieb unbeantwortet.
12 Jahre Freundschaft, in denen ich immer mehr Verständnis für ihre mentale Gesundheit hatte, als sie jemals für mich aufgebracht hätte.
PTBS oder Bindungstrauma durch Verlust - ChatGPT Diagnostik & Therapie
Am Freitagabend war ich dann mit einer Freundin unterwegs, der ich diese Gefühle in der Situation vor dem Karnevalszelt genau beschrieben habe. Diese apathische Abwesenheit und diese Hilflosigkeit. Das systematische wegräumen aller Karnevalssachen nach meinem Ankommen zu Hause. Ich war wie in einem Tunnel. Bis alles weg war. Sie hat das Wort PTBS in den Raum geschmissen und die drei Reaktionen (Fight, Fly & Freeze).
Ich bin ehrlich. Ich halte wenig von ChatGPT in der Hinsicht und würde niemals auf eine solche Art der Diagnostik vertrauen. Doch an dem darauffolgenden Samstagvormittag blieb mir nichts anderes übrig. Ich habe meine Gefühlslage analysieren lassen, gezielt nach Diagnosen und Differentialdiagnose gefragt und darüber hinaus dann die wichtigsten Informationen für mich zusammen getragen.
Für mich klingt das plausibel und was ich in daraus mitnehme, ist keine Diagnose, sondern die Tatsache, dass ich Hilfe brauche um den Verlust zu verarbeiten. Ich verdränge das. Ich stürze mich in Arbeit und Verpflichtungen. Ich funktioniere und lasse nicht zu, die Kontrolle zu verlieren.
Also ja, ich brauche mehr als ein Antidepressivum. Ich habe zum ersten Mal den Wunsch nach therapeutischer Unterstützung – und es wird verdammt schwer, da irgendwo unter zu kommen.
Und was sagen wir zu der Freundschaft?
Ich bin verletzt. Ich bin enttäuscht – aber das ist auch das Ende einer Täuschung und dafür bin ich, auch wenn es weh tut, dankbar.
Und ich glaube, was mir passiert ist, ist keine Seltenheit. Unsere Gesellschaft ist nicht sensibilisiert für psychische Erkrankungen. Von manchen Menschen braucht man kein Verständnis erwarten und die Meinung der anderen Mädels ist mir auch relativ egal. Keiner der Mädels kennt mich und deren Reaktion sagt mehr über deren Charakter, als über mich aus. Ich werde mich zukünftig also nicht zurückhalten. Eine negative Erfahrung nimmt mir nicht den Mut weiterhin darüber zu reden und ein offensiver Umgang ist für mich niemals ein Zeichen von Schwäche.
Deswegen: Lasst mich eure Meinung wissen.
Was war eure heftigste Erfahrung?
4 Kommentare
Sollte die Person um die es hier geht, diesen Beitrag lesen hoffe ich das Sie sich in Grund und Boden schämt. Unfassbar. Wirklich. Mir fehlen da echt die Worte. 12 Jahre „Freundschaft“ das muss man sich mal vorstellen, die einfach in den Sand zu setzen weil es dir nicht gut ging! Ich schreib am besten gar nicht weiter. Ich hoffe die Person wird diesen Beitrag lesen und sich dann vielleicht mal selbst reflektieren.
Ist mir völlig egal, dass ich ausgeladen worden bin. Aber was mich richtig anpisst , dass sie die Geliebte Apple Watch deiner Mutter trägt. Generell eine miese Nummer gewesen die ganze Geschichte!
Danke fürs Teilen deiner Erfahrungen und für die Aufklärung zu diesem wichtigen Thema. Es tut mir ohne Ende leid, dass du das erleben musstest und es ist unglaublich, wie empathielos manche Menschen sind. Für mich wäre diese Freundschaft definitiv auch beendet.
Mir kamen beim Lesen Erinnerungen an eine Situation, die über 15 Jahre her ist. Damals habe ich eine Freundin in einer anderen Stadt besucht. Ich war dann auch von einem Moment auf den anderen traurig und wollte nicht feiern gehen. Für sie war das auch sehr schwer zu akzeptieren und sie hat sehr lange versucht, mich zu überreden. Es war zwar nicht das direkte Ende der Freundschaft, aber auf längere Sicht hat es dann nicht mehr gepasst zwischen uns.
Es tut mir so unfassbar leid, dass du diese Erfahrung machen musstest, aber es spiegelt ganz arg deutlich unsere momentane Gesellschaft wider. Funktionierst du nicht, wirst du aussortiert. Sich neuen Leuten zu öffnen, wird dadurch doppelt so schwer, weil man Angst hat, wieder verletzt oder aussortiert zu werden. Dass sie den anderen Mädels Vorzug gegeben hat, lässt Bände für sich sprechen. Ich hoffe, du kannst dieses Erlebnis für dich gut verarbeiten und bist auch Standhaft, wenn diese Person wieder versucht, in dein Leben zu treten. Fühl dich gedrückt, wenn du magst <3