Am 18.04.2026 habe ich den Dash (meinen DIY Loop) abgemacht und direkt das CamAPS mit meiner Pia im Auto mode gestartet. Die Empfehlung von mylife Diabetescare: 14 Tage kennenlernen, am besten ohne die Funktion von langsamen Kohlenhydraten, Ease-off und Boost.
Hello CamAPS and welcome to my life
Ich bin Saskia, habe einen Korrektur-Faktor von 1:30, KE-Faktor von 1:1 und eine Basalrate von 21,6 Einheiten. Okay, alles unwichtig (außer für den Bolusrechner). Der Algorithmus arbeitet außschließlich mit meinem Körpergewicht und meiner gesamten Insulindosis pro Tag, die ich zu Beginn irgendwo bei 40 Einheiten eingeschätzt habe.
Meine Kennenlernphase mit dem CamAPS und die TIR (Time in Range) der ersten Wochen
Persönlicher Glukosezielwert: 100mg/dl
Boluskalkulator
Mindest-(Blut-)Glukosewert: 80mg/dl
Maximaler Bolusvorschlag: 20 Einheiten
Glukose-Zielwert: 100mg/dl
Korrekturfaktor: 30mg/dl pro IE
Kohlenhydrat-Insulin-Verhältnis: 10g KH pro IE
Insulin-Wirkdauer: 3 Stunden
Ich habe die mylife Reservoire mit Lyumjev® befüllt. Übrigens darf man diese mittlerweile laut Hersteller auch zwei Mal verwenden, was ich echt top finde im Bezug auf Nachhaltikgkeit.
CamAps beim Cardio Training mit Ease-off
Zwei Tage nach dem Start im Auto mode war ich, wie jeden Montagabend, beim Sport. Ich bin mit 180mg/dl rein, hatte (fälschlicherweise zu früh) den Ease-off angeschaltet und dann meine gefühlt heftigste Unterzuckerung seit Monaten.
Ich bin aus dem Fitnessstudio raus und zurück in mein Büro. Theoretisch wäre ich gegen 20:30 Uhr zu Hause gewesen. Jetzt hing ich da, zwischen nervigen Traubenzuckerpapier und Keksen, durchgeschwitzt, am zittern und diesem elendigen Symptom, wenn die Zunge anfängt zu vibrieren. Ich konnte definitiv nicht Autofahren. Mir war kalt und ich war letztendlich nur noch müde und erschöpft während in meinem Kopf sich alles darum drehte, die Pia wieder abzumachen.
Aufgeben ist nach zwei Tagen noch keine Option
Mit der bitteren Erkenntnis, dass die Testphase nicht einfach wird, habe ich mich aber dazu entschieden, durchzuziehen. Mindestens zwei Wochen kennenlernen. Vorher kann ich mir keine Meinung erlauben. Obwohl es letztendlich gar nicht um meine Meinung geht. Ich bin glücklich mit meinem DIY Loop. Ich mache das nur um die Systeme, gerade auch die Funktionsweise der AID-Systeme besser kennenzulernen um eine bessere Basis für die Beratungen und Schulungen in meinem beruflichen Alltag zu haben. On top, bekommt ihr es aber auch zu lesen – nehmt es aber bitte nur als meine Erfahrungen mit. Wir sind alle unterschiedlich und was für mich nicht läuft, kann für den anderen die beste Therapieform sein.
Eine Woche später: CamAps beim Cardio Training ohne Ease-off, aber mit Erhöhung des Glukosezielwertes
Ease-off erhöht den persönlichen Glukosezielwert um 40mg/dl. Das heißt bei mir auf 140mg/dl und das ist wiederum viel zu wenig, wenn ich nicht noch zusätzlich die Insulinsensibilität einstellen kann.
Ich habe also auf Ease-off verzichtet (wegen der Empfehlung in der Kennenlernphase) und meinen Zielwert auf 160mg/dl gesetzt. Das lief ziemlich gut, für das zweite Training.
In der zweiten Woche mit CamAPS und einen Einblick in meine persönlichen Bedürfnisse
In der zweiten Woche mit dem CamAps habe ich mich immer mehr damit auseinandergesetzt, was für einen Luxus ich durch meinen DIY Loop habe und wie viel Lebensqualität ich dazu gewinne. Ehrlich. Ich war und bin immer noch überrascht und sprachlos und gebe euch kurz ein Beispiel dazu.
Ich stehe morgens früh auf, mache mich fertig, versorge gemeinsam mit meinem Mann unsere Kinder und fahre anschließend zur Arbeit. Erst wenn ich im Auto bin und mein Handy in die Halterung mache, sehe ich meinen Blutzucker. Nüchtern zwischen 80mg/dl – 110mg/dl maximal. Nichts 120mg/dl und höher. Immer. Ich habe morgens kein Stress, keine Hypos. Ich bin in der Lage am Straßenverkehr teilzunehmen. Der wichtigste Gedanke in diesem Zeitraum ist lediglich, dass ich mein L-Thyroxin einnehme und welche Playlist auf Spotify läuft.
Und nach 16 tagen im Auto mode dreht sich immer noch alles nur um meinen Diabetes - zählt das als Entlastung?
Fünf Unterzuckerungen an einem Tag, aber eigentlich auch zu hoch. Warum gab es hier kein Bolus? Die Hypos haben mich fünf mal dazu gebracht irgendwas in mich reinzustopfen. Ich hatte einfach keinen großartigen Hunger. Stattdessen war ich eher damit beschäftigt, ob ich teilweise korrigieren sollte oder nicht. Doch nach fast drei Wochen wusste ich, dass ich mit jedem Bolus auch die Gefahr einer Hypo näher komme und auch wenn die gesamte Zeit gar nicht so viele niedrige Werte anzeigt. Unterzuckerungen halten mein Leben an und die ständigen Gedanken in meinem Kopf nehmen mir wahrhaftig Kapazität.
Gedanken, die ich in den letzten Wochen in meiner Insta-Story geteilt habe:
55mg/dl
War mein Bolus zu viel?
60mg/dl
Danke, dass ich das 10 Mal bestätigen muss. Ich merke es. Deutlich. Mit allen Symptomen. Mein Alltag steht still. Die Kinder müssten längst im Bett sein. Danke für gar nichts.
49mg/dl
Wie viele Hypos noch bis ich aufgebe?
Noch nie brauchte mein Diabetes so viel Aufmerksamkeit und dabei war ich größtenteils handlungsunfähig.
und dabei sprechen wir jetzt über Lebensqualität. Vorab, natürlich hätte ich zu jedem Zeitpunkt den Auto mode ausschalten und mit der manuellen Therapie fortfahren können. Doch was wäre, wenn es funktioniert? Stundenlang über 180mg/dl, unwillkürliche Anstiege, Nüchtern-Werte selten unter 100mg/dl. Gebe ich jetzt einen Bolus? Versuche wir es mit dem Boost? Rätselraten.
Mitdenken nicht erwünscht.
Ich laufe stundenlang hoch, der Alhorithmus gibt mir Insulin, versucht mich zu korrigieren, schafft es aber nicht – wie auch – immerhin konnte ich ihm ja nicht sagen, dass ich meine Periode habe und dann korrigiere ich selbst, sehe jedoch kein aktives Insulin und schieße mich in die nächste Hypo.
Warum kann ich mein aktives Insulin nicht einsehen? Und warum rechnet der Bolusrechner dieses nicht mit ein?
Ich bin wirklich handlungsunfähig. Es gibt nur ganz oder gar nicht. Entweder das CamAPS oder ich – aber kein gemeinsam und das ist der ausschlaggebende Punkt, wo ich mit dem System auf keinen gemeinsamen Nenner komme würde.
Das ist aber nur meine persönliche Meinung zum CamAPS
Die Pia ist und bleibt trotzdem meine Lieblingspumpe ♥ In ihrem schlichten und modernen Design, super leicht und einfach zu bedienen zählt sie für mich einfach schon als Diabetes-Accessoire und ich liebs, wenn bei Kathi ihren Postings genau das heraussticht.
Und auch mit dem CamAPS FX bin ich fein
Zugelassen ab dem ersten vollendeten Lebensjahr ist das CamAPS FX vor allem bei unseren Kleinen beliebt und wenn ich mit Eltern spreche, die nachts weitestgehend durchschlafen können, dank dem Algorithmus, bin ich glücklich und dankbar, dass wir mittlerweile von AID-Systemen profitieren können.
Meine Meinung ist also kein Maßstab. Nur weil das CamAPS nicht zu meinem Leben passt, heißt es nicht, dass es für andere nicht das Running-System sein kann.
Lasst euch immer am besten in eurer diabetologischen Praxis beraten und wägt alle Vor- und Nachteile ab, die in eueren Alltag Priorität haben. Im Bezug auf das CamAPS würde ich folgende Liste zu den nennenswerten Stärken und Schwächen zählen, weil sie Einfluss auf mich, meinen Alltag und dem was mir in meiner Therapie wichtig ist, haben. Dazu gehört auch einfach ein schönes Widget 🙃
YpsoPump & CamAPS FX Stärken
- optisch eine schöne, kleine, leichte und moderne Pumpe, mit Touchscreen und verständlichen Symbolen
- zugelassen ab dem ersten vollendeteten Lebensjahr
- kleine Bolusschritte einstellbar
- Kompatibilität mit Freestyle Libre 3 / 3 Plus, Dexcom G6 und zukünftig auch G7 Sensoren
- diskret steuerbar über die CamAPS FX App (Apple und Android)
- Bezugspersonen können als Follower Einsicht bekommen
- Eingabe von Hypo-KEs und langsam resorbierbaren Mahlzeiten möglich
- tolle Widgets (IPhone) Home- und Sperrbildschirm
- Glokoo Übersicht und Praxisanbindung
YpsoPump & CamAPS FX Schwächen
- für den funktionierenden Auto mode muss das Handy in Reichweite sein
- Besonderheiten wie Krankheit, Zyklus, Urlaub können von dem selbstlernenden System nur bedingt oder verspätet berücksichtigt werden
- der Algorithmus lässt wenig Einblick zu (aktives Insulin)
- keine rückwirkende Eingabe von Kohlenhydraten
- ganz persönlich: mir fällt es schwer die Kontrolle komplett abzugeben und nicht selbst entscheiden bzw. in der akuten Situation das handeln des Algorithmus einsehen zu können.