Diabetes

Ketoazidose vs. Hungerketone

Na, da mag ich es auch lieber meiden, diese Wörter bei Google einzugeben. Ein Haufen unverständlicher Fachbegriffe aneinandergereiht zu lesen, macht wohl keinem großen Spaß. Dennoch sind diese Themen heiß diskutiert und nicht weit von der Thematik “Insulinpurging” entfernt. In den kommenden Zeilen versuche ich nun das Wichtigste, verständlich zusammen zu fassen.

Wie entstehen Ketonkörper?

Der hauptsächliche Energielieferant des Körpers ist die Glucose (Einfachzucker), welche primär aus der Kohlenhydratzufuhr gewonnen wird. Kohlenhydrate werden in Glucose umgewandelt und diese gelangt durch das Insulin in die Zelle. Hier kann die Glucose erst als Energielieferant genutzt werden. Wenn dieser Weg der Energiezufuhr gestört wird, geht der Körper an seine Energiereserven, welche sich in Form von Glykogen (Speicherform der Glucose) in der Leber und in den Muskeln wieder finden. Und wenn das Depot aufgebraucht ist, was nun? Jetzt bildet der Körper aus Fettsäuren die sogenannten Ketonkörper und die dazu benötigten Enzyme, weshalb die Ketonkörper anschließend zum Energielieferant werden und die Glucose “ersetzen”. Hier beginnt somit der Fettstoffwechsel, den viele nutzen um an Gewicht zu verlieren.

Hungerketone

Somit wird klar, dass wenn die Kohlenhydratzufuhr eingeschränkt wird, der Körper seine Reserven ausnutzt und anschließend Ketone bildet. Das Wort Hungerketone wird also abgeleitet von “hungern”. Der fast vollkommende Verzicht auf Kohlenhydrate. Die optimale Kohlenhydratzufuhr kann man sich anhand von einer Tabelle mit dem individuellem Körpergewicht ausrechnen. Jedoch sollte eine Zufuhr von mindestens 120g (12KE) Kohlenhydrate täglich gewährleistet sein, um den Körper ausreichend zu versorgen. Beschränkt man nun die Zufuhr auf 50g oder weniger, werden die Ketonkörper gebildet und der Fettstoffwechsel aktiv.

(Problem: Kohlenhydrate – Glucose – Insulin – Zelle – Energiegewinnung)

Ketoazidose

Auch hier bilden sich die Betonkörper. Jedoch wegen einer anderen Unterbrechung des Weges, der eigentlichen Energiezufuhr. Die zugeführten Kohlenhydrate konnte der Körper in Glucose umwandeln, aber nun kann die Glucose trotzdem nicht zur Energiegewinnung genutzt werden weil das Insulin fehlt. Insulin ist der wichtige Schlüssel für die Glucose, um in die Zelle zu gelangen. Erst in der Zelle angekommen, kann der Energieträger Glucose auch Energie liefern. Somit beruht die Ketoazidose auf einem Insulinmangel. Die Glucose verbleibt im Blut und sorgt für einen erhöhten Blutzuckerspiegel. Dennoch braucht der Körper aber eine Energiequelle. Jetzt beginnt der Körper Ketone zu bilden. Wenn sich über einen längeren Zeitraum hinweg diese Ketone im Blut vermehren hat das zur Folge, dass der pH-Wert sinkt. Der pH-Wert gibt den Säure-Basen-Haushalt im Körper an, wobei die Norm zwischen 7,35 – 7,45 liegt. Werte darunter bezeichnet man als Azidose, somit die lebensbedrohliche Übersäuerung des Körpers, welche zum ketoazidotischen Koma und ohne intensivmedizinische Behandlung zum Tod führt.

(Problem: Kohlenhydrate – Glucose – Insulin – Zelle – Energiegewinnung)

Der Unterschied

Es sind also zwei wirklich unterschiedliche Wege oder Auslöser weshalb der Körper die Ketone bildet. In erster Linie erkennen wir Diabetiker vorhandene Ketone am Urintest oder mit einem speziellen Messgerät, welches die Ketonkörper im Kapillarblut nachweisen kann. Ganz oft kommt dann die Frage auf, wieso denn der Ketontest positiv verläuft, während die Werte konstant im Normbereich waren. Wer also nun die unterschiedlichen Wege verstanden hat, weiß das es sich dabei nun also um Hungerketone handelt und nicht um eine Ketoazidose.

Eine Fantasie

Süß ist wenn ich mir vorstelle, wie so ein Glucosekörperchen weinend vor der Zelle steht und verzweifelt nach dem Schlüssel in der Handtasche wühlt. Na, da bekomme ich als Diabetikerin Mitleid mit dem Glucosekörperchen und muss mir mein Insulin spritzen.

3 Comments

3 Comments

  • Robert

    Danke! Mir hat diese Erklärung, obwohl auch halber Experte…, sehr geholfen!

  • Anton

    Vielen Dank Saskia für den interessanten Beitrag! Dieses Thema ist extrem aktuell auch wegen der vielen Formen von ketogenen Diäten, wie z.B. Low Carb und Atkins, die in letzter Zeit besonders populär geworden sind. Frage: dürfen Diabetiker eine Low Carb Diät machen? Würde das Ihnen guttun? Grüße, Anton

    • Sassi

      Hey Anton,
      vielen Dank für dein Kommentar. Also Diabetiker dürfen sich auf jeden Fall Low Carb ernähren, besonders Typ 2 Diabetiker profitieren von einer gesünderen Ernährungsweise. Aber auch Typ 1 Diabetiker erzielen mit einer Low Carb Ernährung wesentlich bessere Blutzuckerwerte. Manchmal ist es nur sehr frustrierend, wenn man durch eine Low Carb Diät abnehmen möchte und Unterzuckerungen einen dazu zwingen Kohlenhydrate zu sich zu nehmen. Aber prinzipiell spricht nichts dagegen.

      Liebe Grüße,
      Saskia

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