Ich bin vielleicht schwanger

von Saskia Leonhardt

Sie sind schwanger, aber sehr wahrscheinlich werden sie in den nächsten Tagen eine Fehlgeburt haben.
Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Leider fing genau so schrecklich die eigentlich schönste Zeit in meinem Leben an. Doch zum Glück änderte sich alles in Positive und auch wenn jetzt erst mal alles gut ist, möchte ich euch trotzdem von dem Anfang erzählen. Vielleicht findet jemand der genau in der selben Situation wie wir ist diesen Beitrag und gewinnt etwas mehr Hoffnung, als ich zu dem Zeitpunkt hatte. 

5. Schwangerschaftswoche (4+2)

wie ich von der Schwangerschaft erfahren habe

Mir ging’s nicht besonders gut. Ich war müde, gestresst und angespannt. Gerade hatte auf der Arbeit unser Jugendkurs begonnen und ich fand trotzdem keine gute Ausrede für mein Unwohlsein. Ich hatte vor Wochen schon einen Eisenmangel diagnostiziert bekommen und hatte versucht Eisen in Form von Tabletten zu mir zu nehmen, aber jedes Präparat brachte neue Nebenwirkungen mit sich. Mir kam kurz der Gedanke einer möglichen Schwangerschaft, doch schob ich ihn wieder zur Seite. Nach Feierabend ließ mich der Gedanke aber nicht mehr los. Ich wollte wenigsten eben eine Schwangerschaft ausschließen um dann nochmal den Nährstoffmangel von meiner Hausärztin abklären lassen zu können. 

Eine zarte zweite Linie

Der Frühtest zeigte schließlich eine zweite ganz zarte Linie, die ich  natürlich nicht verstand. Immerhin war das auch so ein günstiger Test aus dem Drogeriemarkt. Wer weiß wie hoch da die Fehlerquellen sind? Ich machte also ein Bild von der Linie und ging in meine Apotheke. 

„Ich gebe Ihnen jetzt einen Test mit, den Sie am besten morgen früh mit dem ersten Urin machen, aber Sie können davon ausgehen, dass Sie schwanger sind“, brachte mit die Apothekerin entgegen. Ich war sprachlos.

5. Schwangerschaftswoche (4+5)

Der erste Termin bei der Gynäkologin

Kurz darauf bekam ich einen Termin bei meiner Gynäkologin und sie machte einen Ultraschall, indem ganz klar eine Fruchthöhle zu sehen war. Mehr ist zu dem Zeitpunkt auch einfach nicht sichtbar. Doch was sie beunruhigte war eine noch viel größere Blutung neben der Fruchthöhle. Sie sagte mir, dass sie eher davon ausgeht, dass ich in den kommenden Tagen eine Fehlgeburt haben werde und dass sie mich gerne in der nächsten Woche wieder sehen möchte. 

Ich ließ mich für die kommende Woche krankschreiben. Ich war psychisch so fertig, dass ich nicht mehr adäquat in der Lage war arbeiten zu gehen geschweige denn Autofahren zu können. Leider findet sich dafür noch heute der Beweis an meinem Auto, was seit dem Zusammenstoß mit einer Laterne vor der Praxis nun eine bleibende Erinnerung besitzt. 

Blutabnahme: Anstieg des hCG-Werts

Bei diesem Termin wurde mir auch Blut abgenommen. Das humane Choriongonadotropin, kurz hCG ist das typische Schwangerschaftshormon, welches der Körper produziert um die Schwangerschaft zu erhalten. Der einzelne Wert war in der 5. SSW noch nicht aussagekräftig, also wurde mir vier Tage später erneut Blut abgenommen um den Anstieg zu beurteilen. 

6. Schwangerschaftswoche (5+2)

Das Ergebnis entsprach einem typischen Schwangerschaftsverlauf und noch am selben Tag wollte meine Gynäkologin einen Ultraschall machen. Es war alles unverändert. Eine Fruchthöhle, ein kleiner Dottersack und eine zu große Blutung daneben. Sie machte mir keine große Hoffnung und dementsprechend blieb meine Stimmung gedrückt. Ich bin ehrlich.., wenn’s nicht so sein sollte, dann ist das so. Ich glaube alles im Leben hat einen bestimmten Grund und an jeder Herausforderung wächst man ein bisschen mehr, aber ich hatte einfach Angst vor dem, was mir und meinem Körper bevorstand.

Was bedeutet es eine Fehlgeburt zu haben? 

Ich habe natürlich viel im Internet gelesen und alles gefunden, von harmloser Blutung und viele Schwangere, merken den Abgang nicht mal bis hin zu starken Schmerzen usw. Ich wusste einfach nicht was kommen würde und ich wusste auch nicht wann es passieren wird. Um so dankbarer war ich natürlich, dass ich in dieser Woche zu Hause war. Ich hab mich eingekuschelt, gewartet auf das Unvermeidliche und jegliche Hoffnung über Board geworfen. Ich wollte auch einfach keine emotionale Bindung zu etwas aufbauen, was nicht sein würde. 

Eine zweite Meinung

Meine Mama hat natürlich vom ersten Tag an alles mitbekommen und konnte einfach nicht glauben, was hier geschah. Sie vereinbarte einen Termin bei ihrem Gynäkologen und wollte eine zweite Meinung. Ich hatte ja nichts zu verlieren und ging mit ihr zusammen hin. Im Ultraschall war wieder die Fruchthöhle und der Dottersack sichtbar sowie die Blutung daneben. Er hingegen war aber sehr optimistisch.

„Das sieht super aus für die 6. SSW – nächste Woche sieht man bestimmt den Herzschlag.“

Er druckte mir das erste Bild von dem kleinen Würmchen aus und erklärte, dass die Blutung in der Gebärmutter für ihn nichts Neues ist. Er meinte, dass er das von vielen Schwangeren kennt und dass ihn die Blutung nicht interessiert, solange sich der Embryo richtig eingenistet hat – und das hat er.  

7. Schwangerschaftswoche (6+2)

Das Herzchen schlägt

Eigentlich lief alles perfekt, aber meine Gynäkologin machte mir doch keine große Hoffnung. Für viele Frauen ist der Moment, indem man das Herzchen schlagen sieht, etwas unglaublich Besonderes. Etwas was man erwartet und wo man sich riesig drüber freut – für mich war es ein beiläufiges Ereignis, welches ich unter den ganzen Umständen und der fortlaufenden Aussage, dass es sowieso nicht bleiben wird, überhaupt nicht schätzen konnte. Ich sah und hörte den Herzschlag, aber meine Ärztin ließ keinen Raum für Hoffnung. 

An der Stelle überlegte ich natürlich ob das Wechseln der gynäkologischen Praxis nicht sinnvoll wäre. Doch leider ist der Wechsel innerhalb eines Quartals nicht möglich. In Ausnahmefällen kann die Krankenkasse einem Wechsel zustimmen, dafür bedarf es aber auch einen besonderen Grund und da wir schon zu dem Zeitpunkt im November waren – bis der Schriftkram durch gewesen wäre.., entschied ich mich dagegen.  

Bei diesem Termin bekam ich auch von ihr ein Bildchen worauf das kleine Würmchen zu erkennen war und dennoch konnte und wollte ich mich immer noch nicht freuen. Meine Angst war größer und sollte vorerst auch nicht weichen. Schließlich war ich aber wieder in der Lage zu arbeiten, was dafür sprach, dass ich irgendwie schon gelernt habe mit der Angst umzugehen. 

9. Schwangerschaftswoche (8+5)

Mein Mutterpass und die nächsten Sorgen

Zwei Wochen später (und die Wartezeit war das Schlimmste!) sah alles gut aus. Das Würmchen war schon 1,9cm groß und auch wenn daneben die große Blutung noch immer zu sehen war, hat das Würmchen sich davon nicht stören lassen. Eine eigentlich so tolle Nachricht, doch bekam ich jetzt die nächsten Sorgen mit auf dem Weg. Dadurch, dass wir die Schwangerschaft nicht geplant hatten, war auch mein HbA1c ziemlich hoch. Ich startete in der 5. SSW (4+3) mit 8,1% – das Risiko für eine nicht zeitgerechte Entwicklung und mögliche Fehlbildung viel höher als sonst. Ich bekam also eine Überweisung zum Ersttrimester Screening und den dazugehörigen Termin in der 13. Schwangerschaftswoche. 

Es waren also wieder einige Wochen Wartezeit in Ungewissheit und ich hatte immer noch Angst eine emotionale Bindung zuzulassen. Ich wollte nicht über die Schwangerschaft sprechen und ich konnte irgendwie auch nicht wirklich realisieren, was da mit mir und um mich herum geschah.

13. Schwangerschaftswoche (12+5)

Die wundervolle Nachricht, dass alles gut ist

Ich bin vielleicht schwanger. Vielleicht. Das Wort können wir jetzt endlich aus diesem Satz streichen. Statt einem Ersttrimester Screening wurde bei mir eine sehr frühe Feindiagnostik durchgeführt, bei der alles perfekt war und auch Andy zum ersten Mal die Möglichkeit bekam, dass Würmchen zu sehen. 

Jetzt hoffe ich natürlich immer mehr, die Angst loszuwerden – klar, kann immer noch mal irgendwas sein – aber für den Anfang reicht’s erst mal mit Sorgen machen und ich möchte mich mit den üblichen Themen beschäftigen, die eine Schwangerschaft so mit sich bringen. Auf den Weg nehme ich euch ab jetzt auch gerne mit und entschuldigt bitte, dass ich eher einfach noch nicht dazu bereit war. 

Was ich gerne vorher gewusst hätte: Zum Abschluss dieses Beitrages, möchte ich euch noch zwei Dinge mitgeben. 

  1. Es ist unglaublich entscheidend, an welchen Arzt oder Ärztin ihr geratet. Ich war jahrelang nie dazu bereit einen männlichen Gynäkologen aufzusuchen, hätte mir jetzt aber gewünscht, direkt bei dem behandelnden Arzt von meiner Mama gewesen zu sein. 
  2. Niemals wieder würde ich so früh überhaupt zum Gynäkologen gehen. In der 5. SSW – ungefähr der Zeitpunkt, wo die Periode ausbleibt, ist es noch viel zu früh um irgendetwas zu erkennen. Ich hätte mir lieber den besorgniserregenden Anfang gespart und dafür sofort eine emotionale Bindung zu meinem Würmchen zugelassen. 
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Hier gibt’s übrigens noch mehr Schwangerschaftscontent mit Typ 1 Diabetes: 

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1 Kommentar

Katja 9. Januar 2021 - 18:33

Der Anfang war echt wie bei mir. Ich war auch so früh beim Frauenarzt, dass ich einen Tag auf das Blutergebnis warten musste, ein Urin test schlug noch nicht richtig an. Mitten in einer Insulinumstellung ist es passiert und ich musste zum Vertretungsarzt der auch nicht so toll war. Auch musste ich weiter weg zum Diabetologen wechseln, der Erfahrungen mit schwangeren Dias hatte. Er war mein Anker und nahm mir alle Ängste ebenso wie mein Frauenarzt. Ich habe voll weiter gearbeitet mein Hba1 von 8 auf 5,7 in kürzester Zeit geschafft und hatte eine Traumschwangerschaft. 22 wird meine Tochter jetzt und wog mal 3710 G u 51cm 🤗
Dir alles Gute und geniesse es 😚

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