Depression

Diabetes & Psyche: Diagnose Depression

Diabetes und Depression. Wir reden nicht oft über psychische Erkrankungen und dabei ist es aber so unglaublich wichtig, darüber zu sprechen und auch die Öffentlichkeit für “unsichtbare” Erkrankungen zu sensibilisieren. In Deutschland leben etwa 800.000 Menschen mit Diabetes und einer Depression. Die Wechselwirkung beider Erkrankungen ist also unübersehbar und durch verschiedene Studien bewiesen. Menschen mit Diabetes haben ein doppelt so großes Risiko eine Depression zu entwickeln, wie Menschen ohne Diabetes und leider entsteht auch immer wieder aus einer Depression heraus ein Typ 2 Diabetes. Also warum sprechen wir so wenig darüber?

Ganz ehrlich? Ich habe eine unglaublich lange Geschichte zu erzählen. Vereinzelt wissen meine Familie und Freunde davon, aber die Öffentlichkeit? Die Gesellschaft würde mich doch im Zusammenhang mit Depression als schwach abstempeln, oder noch schlimmer, gar nicht mehr ernst nehmen. So meine Gedanken und Ängste bezüglich dieses Beitrages, den ich nun aber doch mit euch teile.

Auf der letzten mySugr Party, im Rahmen des EASD Kongresses in Berlin, habe ich Tine kennengelernt. Tine schreibt schon seit Jahren ihren Blog #icaneateverything und hat bestimmt eine noch längere Geschichte zu erzählen, als ich. Und genau ihr offener Umgang mit ihrer psychischen Erkrankung war für mich inspirierend und der Beweggrund, warum ich hier, heute auf den Button “veröffentlichen” drücke. Nach unserem Gespräch haben wir Lea, Lisa und Katharina gefragt, was sie davon halten über psychische Erkrankungen zu schreiben. Schließlich ist diese kleine Blogparade daraus entstanden, die ihr seit Donnerstag schon verfolgen könnt.

Gemeinsames Vorwort: Leider noch immer ein viel zu großes Tabuthema: Diabetes kommt tatsächlich häufiger zusammen mit psychischen Erkrankungen vor, als wir das vielleicht denken. In dieser Blogparade, die auf den Weltdiabetestag folgt, wollen wir an fünf Tagen das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln heraus aufgreifen, euch von unseren eigenen unterschiedlichen psychischen Erkrankungen berichten, gute und schlechte Geschichten erzählen und ganz ehrlich mit euch sein. Denn wir möchten das Tabu brechen, das Thema weiter zugänglicher machen und Stereotypen endlich aus der Welt schaffen!

Artikelübersicht

Katharina

15.11.2018

Die Depression und wie gut es mir (damit) geht

www.nervenauszuckerwatte.de

Lea

16.11.2018

Depression, Angststörung und das danach

www.insulea.de

Lisa

18.11.2018

Wie mir meine Essstörung zu einem neuen Leben verhalf

www.lisabetes.de

Tine

19.11.2018

Zeit & Schulterklopfer

www.icaneateverything.com

Saskia, 24, Diagnose Depression

Wie konnte mir das passieren? Bis heute bleibt diese Frage für mich unbeantwortet und wer weiß, ob ich jemals darauf eine Antwort finde. Ich kann euch hier also keine Anleitung präsentieren, wie man am besten mit einer Depression umgeht, aber ich kann euch von mir erzählen. Wie ich meinen Weg mit meiner Diagnose Depression gehe und welche immer wiederkehrenden Herausforderungen ich mich stelle, besonders im Bezug auf meinen Diabetes. Es ist unglaublich wichtig, dass wir darüber reden, schreiben und uns austauschen. Anders können wir dieses Tabuthema einfach nicht brechen. Also möchte euch heute erst mal von meinem Anfang mit der Depression erzählen. Immerhin ist es wie ein kleines Coming out heute, denn zuvor habe ich mich eben nie getraut in der Öffentlichkeit ein Wort darüber zu verlieren. Deswegen, zum Einstieg in das Thema, starten wir mit meiner Diagnose: Depression!

Oktober 2017

Im Nachhinein würde ich am liebsten sagen: “Ich hätte es wissen müssen”, aber ich wusste es nicht. Es war ein Sonntagvormittag an dem ich mich fertig machen wollte, für den Spätdienst. Ich stand aber im Badezimmer und habe immer schwerer Luft bekommen. Fast schon wie eine leichte Atemnot, die mich dann dazu brachte meine Mama anzurufen. Am Telefon dachte ich eine plausible Antwort auf meine Symptome zu bekommen, aber letztendlich befand ich mich dann in der Auseinandersetzung mit ihr, ob ich arbeiten gehe oder nicht. Ihr kennt die Muttis. Keine 5 Minuten später saß sie im Auto auf dem Weg zu mir und holte mich ab um mich ins Krankenhaus zu schleifen.

In der Ambulanz erwähnte ich schließlich meine Atemnot, die mir zudem auch anzusehen war und meine Rückenschmerzen, die zu dem Zeitpunkt, nicht akut, aber immer präsenter empfand als zu zuvor. Es wurde ein Röntgenbild gemacht, eine Lungenentzündung ausgeschlossen und anschließend wurde ich mit schmerzlindernden und atemerleichternden Medikamenten nach Hause geschickt. Der Verdacht lag auf einem Bandscheibenvorfall, weshalb ich direkt am Montag zum Orthopäden gegangen bin. Vielleicht doch nur ein Nerv eingeklemmt? In der kommenden Zeit begann das Ausschlussverfahren und letztendlich wurde auch der Bandscheibenvorfall im MRT ausgeschlossen. Ich saß also wieder bei meiner Hausärztin. Die Symptomatik war natürlich unter der Einnahme von den Medikamenten besser geworden, aber das löst immer noch nicht das Problem. “Vielleicht sind es psychosomatische Symptome, Saskia?” erfüllte das Sprechzimmer und brachte mich zum nachdenken.

Die eigentlich offensichtliche Nadel im Heuhaufen war gefunden

Offensichtlich, weil ich eigentlich schon immer negative oder andere Gedanken und Gefühle hatte, als andere. Ich wusste es irgendwie und wollte es nicht wahrhaben. Immerhin weiß man ja auch nicht so ganz genau, was die anderen denken und fühlen. Vielleicht hätte es auch einfach nur ein Teil meiner Persönlichkeit sein können. Nein, ist es aber nicht. Ich bin eine unglaublich sensible, emotionale und nachdenkliche Person. Doch so viele negativen Gedanken und ein solch gemindertes Selbstwertgefühl gehört zu keiner normalen Persönlichkeit. Hier bastelt sich die Depression ihr eigenes und sehr einnehmendes Gedankengerüst zusammen. Als diese Einsicht, im Oktober 2017 kam, brach für mich erst mal eine Welt zusammen. Und meine Depression ließ mich zudem auch noch in dem Glauben, dass ich diese Welt nie wieder zusammengebaut bekomme.

Nach vorne schauen

Ist einfacher gesagt, als getan. Mit einer Depression werden die Kleinigkeiten des Alltages zur größten Herausforderung. Aufstehen, duschen gehen, einen Anruf entgegennehmen oder einfach nur was zu essen. Eine Depression ist einfach einnehmend, stützt die soziale Isolation und diese beginnende Hoffnungslosigkeit breitet sich auf alle Lebensbereiche aus. Nicht zuletzt bei mir auch noch auf meinen Diabetes. Das letzte Jahr war für mich unglaublich prägend. Aber aus den meisten Steinen, die mir die Depression in den Weg gelegt hat, habe ich was Schönes bauen können. Wie dieser steiniger Weg war und woran man erkennt welche Steine potential zum bauen haben sowie wie ich überhaupt die Kraft gefunden habe, um mit zwei Erkrankungen wieder laufen zu lernen – davon möchte ich in den nächsten Artikeln nach und nach erzählen.

Es ist nicht hoffnungslos

Wichtig für den heutigen Artikel ist es mir aber, euch zu sagen, dass es weiter geht. Für mich ging es auch weiter. Ihr lest vielleicht gerade diese Zeilen und wisst um eure psychische Erkrankung oder vermutet es nur und jedes damit zusammenhängende Gefühl vermittelt einem Hoffnungslosigkeit oder Verzweiflung. Aber nein. Eine Depression geht nicht von heute auf morgen weg, klar, aber es gibt ganz viele Ressourcen und eigene Kraft, von der man nie wusste, dass man sie hat, die einem helfen.

Lasst uns darüber reden!

Als ich die Diagnose bekam, war es das erste für mich danach zu googlen. Lasst uns Google damit füllen, dass Depressionen und andere psychische Erkrankungen keine Tabuthemen sind. Die psychische Gesundheit ist genau so wichtig, wie die physische. Nur weil man eine Depression nicht sieht, ist sie nicht, nicht da. Lasst uns gemeinsam dafür stark sein, Stereotypen aus der Welt schaffen und auch die Gesellschaft dafür sensibilisieren, dass psychische Erkrankungen genau so einen Stellenwert haben, wie sichtbare Erkrankungen.

Ihr - Wir - Gemeinsam

Ich hoffe sehr auf euer Feedback und Kommentare und möchte jeden dazu ermutigen, darüber zu reden oder zu schreiben.

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