Update für euch, Therapie für mich
Ich stand mir lange Zeit selbst im Weg, weil ich dachte, ich darf auf meinem Blog nur Diabetesinhalte teilen. 2019 habe ich mein privates Profil auf Instagram gelöscht, weil mir dort sowieso alle gefolgt sind, die ich durch mein Blog kannte und andersherum all meine Freunde, meinen Blog sowieso mit Herz und Liebe supporteten.
In dem selben Jahr habe ich die Weiterbildung zur Diabetesberaterin DDG begonnen und mich weiterhin nur auf Inhalte zum Thema Diabetes beschränkt. Vielleicht waren vereinzelt private Stories zu sehen, aber mehr und die Wahrheit, der Blick hinter die Kulissen – nein.
Gestern Diabetesberaterin, heute Depressionen
Es ist kein Geheimnis, dass ich seit unzähligen Jahren mit Depressionen lebe. Ich gehe da relativ offen mit um, aber den Content dazu zu bringen, ist ehrlich eine Überwindung. Ich musste heute Mittag kurz nachdenken, als ich den Kommentar von der Mama meiner Patientin gelesen habe. Denn genau das war immer meine größte Sorge. Wie wirke ich in der Öffentlichkeit und wie gut kann ich als Diabetesberaterin arbeiten, wenn meine Patienten (und deren Eltern!) Einblick in mein Privatleben bekommen? Werde ich noch ernst genommen oder abgestempelt? Und wie darf ich mich auf Instagram präsentieren?
Diafeelings bin ich - Diabetes macht Gefühle
und schreiben bleibt meine Therapie. Also ein herzliches Willkommen an alle, also jeden, auch die Eltern meiner Patienten. Ich werde jetzt einfach diesen Weg gehen, den ich mir insgeheim immer gewünscht habe und schreiben, was mich bewegt.
Mein Lebenslauf ist ein Bilderbuch. Staatsexamen, Eigentum, Weiterbildung, Hochzeit, Kinder. Ich bin dafür unendlich dankbar, doch trotzdem fehlt meinem Gehirn manchmal Serotonin. Ich bin zuverlässig, zielstrebig und arbeitsfähig, doch trotzdem manchmal überfordert, unstrukturiert und antriebslos.
Zwischen Glitzer und Zerbrechen
Neben meinem Typ 1 Diabetes und den Depressionen, gehören noch vier weitere chronische Erkrankungen zu mir, wobei zwei davon, Hashimoto und die chronische Uticaria sich gut mit Medikamenten behandeln lassen und die letzten beiden, chronisches Reizdarmsyndrom sowie Agne Inversa mich massiv in meinem Alltag einschränken.
Kurz vor meinem 18. Geburtstag habe ich meinen Vater verloren, nachdem die Reanimation aufgrund eines Herzinfarktes erfolglos verlief. Vor zwei Jahren, musste ich entscheiden, die lebenserhaltenden Maßnahmen bei meinem Opa zu beenden und ließ mit ihm auch mein letztes bisschen Kindheit gehen. Was vollkommen okay war, weil mein Opa ein langes und glückliches Leben führen durfte und im Alter von 83 Jahren, ohne Aussicht auf Genesung, keine Schmerzen und Leid verdient hatte.
Doch den Verlust meiner Mama im letzten Jahr hat meine Welt zum stillstehen gebracht. Ich lebe seither wie in einem Ausnahmezustand und muss lernen, dass es ein Prozess ist, zu verarbeiten.
Ich weiß nur noch nicht, wie das geht.
Sie war 52 Jahre alt, hatte einen geplanten operativen Mitralklappenaustausch und zählt nun in die Statistik zu den im Durchschnitt 4-8% in Deutschland, die diesen Eingriff nicht überlebt haben.
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#notjustsad; Therapie bei Depressionen
Ich bin ehrlich, ich lebe mit der Diagnose schon ein paar Jahre und erkenne sehr gut, in welcher mentalen Verfassung ich bin und welche Ressourcen ich habe.
Ein gutes halbes Jahr nach dem Tod meiner Mama, passend zum Start in die dunklere Jahreszeit, war mir klar, dass ich den bevorstehenden Winter (und auch das erste Weihnachten) nicht ohne Hilfe schaffe. Ich habe in der psychiatrischen Praxis angerufen, die mittlerweile von einem anderen Arzt übernommen worden war und im Oktober 2025 einen Termin für Februar 2026 erhalten.
Von meiner Hausärztin habe ich schließlich ein Antidepressivum, mit dem ich schon vertraut war aus den vergangen Jahren, bekommen, um die Zeit irgendwie durchzustehen.
Aktuell nehme ich also morgens einen Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und mein Schilddrüsenhormon. Ich bin auf der Suche nach einem Therapieplatz und habe diese Woche, die Kostenübernahme für meinen Zugang zu deprexis bekommen.
Ich lächle, ich kämpfe, ich mache weiter – weil Aufgeben keine Option ist und ich schreibe darüber. Es geht mir dabei nicht um Klicks. Es geht mir um das Verarbeiten und wenn das irgendjemand liest: Ich freue mich über Feedback und Austausch.