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Blogparade: Reisen mit Diabetes

Steffi hat im Mai diesen Jahres eine Blogparade gestartet, die sich mit dem Reisen beschäftigt und da ich im Moment selbst im Urlaub bin, dachte ich mir, genau dafür ein schattiges Plätzchen zu suchen um meine Erfahrungen, Erlebnisse, Tipps und Wünsche mit euch zu teilen. Steffi’s Artikel könnt ihr hier nachlesen und alle Blogger sind herzlichst dazu eingeladen mitzumachen. Außerdem hat Steffi auch noch einen anderen tollen Artikel übers Reisen auf ihrem Blog, der auch eine Packliste zum ausdrucken enthält. Perfekt vorbereitet!

1. Was bedeutet Reisen für dich?

Reisen ist für mich wie ausbrechen, ausbrechen aus der Realität. Ein Ort wo ich abschalten und zu Ruhe komme, inspiriert werde und Neues erlebe, aber mich vor allem auch zurückziehen kann, um zeitgleich wieder aufblühen.


2. Siehst du den Diabetes beim Reisen als Hindernis?

Nein. Allgemein sollte der Diabetes kein Hindernis für irgendwas sein und erst recht nicht jemanden davon abhalten zu reisen. Natürlich bedarf eine Reise mit Diabetes ein paar mehr Vorbereitungen. Alles wird durchdacht, kontrolliert und vorbereitet. Die Gesundheit steht auch in erster Linie im Vordergrund, aber darüber hinaus, sollte man sich gar nichts nehmen lassen! Punkt. Außerdem gibt es mittlerweile so viele Menschen mit Diabetes, die ihre Reisen mit der Community teilen, sodass wirklich genügend Informationen darüber zu finden sind. Mit dem Rücksack einfach losziehen? Auf jeden Fall.  Schaut gerne mal bei Michi vorbei, der seinen YouTube Chanel Type1Backpacker, mit vielen Erlebnissen und Erfahrungen füllt.

3. Worauf kommt es für dich beim Packen an? Hast du Tipps und Tricks? Hast du Geheimwaffen im Gepäck?

Hier geht’s an die Vorbereitungen. Ich schreibe mir selber immer eine To do Liste für den Urlaub und unter “Sonnencreme kaufen” und “Ladekabel nicht vergessen”, steht dann immer ein kleiner Diabetesbereich. Ausreichend Katheter, Dexcom Sensoren, Teststreifen, etc. Und auch wenn es nie jemand am Flughafen sehen will, lasse ich mir immer ein Attest ausstellen, was beinhaltet, dass ich all die Gegenstände sowie mein Insulin mit mir führen darf.

Ich muss aber gestehen, ich bin nicht übermäßig vorsichtig und packe alles dreifach ein. Auch in diesem zweiwöchigen Hotelurlaub habe ich nur ein Paket Katheter mit, 2 Sensoren für den Dexcom, 50 Teststreifen und 5 Insulinampullen. Das ist so gerade eben etwas mehr, als wie ich in 2 Wochen benötige und reicht mir vollkommen als Sicherheit aus. Aber auch wenn ich zum ersten Mal mit Ersatzpumpe reise, ist es mir dennoch wichtig, Pens dabei zu haben. Letzten Urlaub hatte ich noch richtige Pens mit, diesen Urlaub reichen mir die Einmalspritzen, weil ich sowieso keine Ampullen für Pens mehr gehabt hätte. So habe ich immer die Sicherheit, wenn all die Technik versagt, mir Insulin zu geben.

Um das Insulin kühl zu halten nutze ich auch eine FRIO-Tasche. Meine ist sogar schon so alt wie mein Diabetes und erfüllt immer noch ihren Zweck. Insulin kommt natürlich immer ins Handgepäck, da es im Gepäckraum eines Flugzeuges einfrieren könnte und alles andere landet im Koffer bzw. wird etwas aufgeteilt. Immerhin ist es nicht abwegig, dass mal ein Koffer weg kommt, ins falsche Flugzeug eingeladen wird und später tausende Kilometer entfernt wieder auftaucht.

4. Ist bei einer deiner Reisen diabetestechnisch schon mal etwas schiefgegangen?

Leider, nein. Leider, weil ich euch an dieser Stelle gerne eine coole Story erzählt hätte, aber die bleibt wohl ausstehend. Bisher ist in meinen Urlauben nie wirklich etwas schief gelaufen. Jedoch habe ich es ein paar Male schon so richtig drauf ankommen lassen. Ungewollt, versteht sich. Letztes Jahr, als ich noch das Freestyle Libre verwendet habe, habe ich das Lesegerät aus Versehen am Pool liegen gelassen und hatte Glück, dass es gefunden wurde. In diesen Urlaub, also jetzt, hier in der Türkey, wäre ich fast komplett ohne Insulin geflogen, wenn meine Mama und ich auf dem Weg zum Flughafen nicht über die FRIO-Tasche geredet hätten. Zum Glück hatten wir noch Zeit und konnten zurück nach Hause fahren, bevor es wirklich in den Urlaub ging. Bisher ist also immer alles gut gegangen und ich hoffe, dass bleibt auch weiterhin so.

5. Was waren deine tollsten Reiseerlebnisse?

Mein schönstes Reiseerlebnis, war eigentlich der Moment, als ich gemerkt habe, wie schön es ist zu reisen und dass es mehr gibt, als die Standarturlaubsreisen mit meiner Familie, die ich ich zuvor jahrelang gemacht habe. Ich glaube, ich war gerade 17 Jahre alt, als ich das erste Mal neben meinem Freund im Flugzeug saß und seine Hand gehalten habe beim Start und mir dachte: “Die Welt ist so viel mehr, so groß und wir können all das erleben, was wir wollen”. Nach dem Urlaub sind wir gerade zu Hause angekommen und konnten sofort wieder packen für unsere nächste Tour. Nur ein kleiner Roadtrip, aber in dieses Gefühl hab’ ich mich schlichtweg verliebt.

Ein Jahr später sind wir, nur mit Handgepäck, zusammen nach Portugal geflogen und dort mit einem alten Opel Corsa A, der hier in Deutschland niemals TÜV bekommen hätte, durch die Städte gefahren. Bis zum südwestlichsten Ort von Europa, Cabo de São Vicente bei Sagres, wo wir das Zertifikat über “Die letzte Bratwurst vor Amerika” bekommen haben. Es gab nur eine Landkarte, das quietschrote Auto und uns… Die schönste Reiseerfahrung, die ich je gemacht habe.

6. Gab es spezielle Erlebnisse auf den Diabetes bezogen?

Nicht direkt. Natürlich lernt man immer wieder andere Menschen mit Diabetes kennen und besonders spannend finde ich den internationalen Austausch, aber auch genau so erschreckend. In vielen Ländern ist die Versorgung des Diabetes nicht mal ansatzweise so gegeben wie in Deutschland und oft tut es mir so sehr leid, mit der selben chronischen Krankheit zu leben, wie alle anderen, aber nur das Land und das Gesundheitssystem entscheidet über die Therapiemöglichkeiten und im Endeffekt über die Lebensqualität des einzelnen. Ich bin also unendlich dankbar für all die Technik und Gadgets die ich nutzen darf und das wird mir in solchen Momenten dann besonders bewusst.

Die Erlebnisse, dass einem immer irgendwas zur Heilung angedreht wird, lasse ich nun mal gekonnt außen vor. Karaf statt Insulin? Ohje, nein danke. Aber das passiert nun auch immer mal wieder.

7. Welche Traumreise würdest du gerne einmal machen?

Ich möchte ein Mal das Klischee erfüllen und Weihnachten in New York verbringen. Ein Mal über den Time Square laufen, als wäre es mein zu Hause und ein Mal die Aussicht über Manhatten genießen. Ein Mal das Gefühl der Stadt erleben, die niemals schläft.

Eine weitere Traumreise wär’ der Roadtrip die Westküste von Amerika entlang. Dazu gibt es aber noch keinen genauen Plan, eher nur eine Idee. Von San Francisco, über los Angeles, bis nach San Diego, die Route 66 entlang, Motelübernachtungen und jedes Gefühl von Freiheit genießen. So in etwa.

8. Reiseplanung 2018

Gut, das Jahr ist schon fast um und ich tippe diesen Beitrag gerade vom Strand der türkischen Riviera, also ist damit schon der Haupturlaub genannt. Ich war dieses Jahr aber mehrere Male an der Nordsee, in St. Peter-Ording, in Cuxhafen und natürlich durfte auch der Stop in Hamburg nicht ausgelassen werden. Die Diabetes-Events brachten mich zudem, wie jedes Jahr im Januar, nach Berlin zum T1DAY, zum ATTD nach Wien und zuletzt zum dXDublin Event, nach Irrland. Im Oktober sehen wir uns hoffentlich wieder auf dem EASD in Berlin und auch für Dezember steht ein weiterer Berlinaufenthalt in meiner privaten Reiseplanung. Damit bleibt wohl der November der einzige Monat im Jahr 2018, den ich komplett zu Hause, in meiner Heimatstadt Hagen verbringen werde und so sehr ich das Reisen auch mag, bin ich am allerliebsten in meiner vertrauten Umgebung, bei meinen liebsten Menschen & meiner Katze.

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1 Comment

  • Reply
    Axel
    04.11.2018 at 14:33

    Toller Bericht!
    Für mich, mit Typ 1 Diabetes, seit 36 Jahren, war der Bericht sehr interessant weil ich permanenter Weltenbummler bin.
    Ich reise nie mit Agentur und plane alles selbst, dass macht mir gerade viel Spaß! Aber nur grob und niemals bis ins kleinste Detail weil sonst die Spontanität leidet und man evtl. enttäuscht wird.
    Vielleicht ist es auch die Herausforderung, die mich gerade reizt, mit Typ 1 Diabetes so ausgedehnt zu reisen.
    Ich habe folgende Erfahrungen gemacht:
    – Reisen macht erst Spaß wenn man so wenig wie möglich Gepäck hat! Ich reise nur mit einem Handgepäck-Rucksack, Nie mehr als 8 kg. So habe ich alles in nächster Nähe. Eine Arzt Bescheinigung ist natürlich sinnvoll. Nur Singapur Airlines wollte das mal sehen.
    – So wenig wie möglich kompliziertes mitnehmen, weil es ausgerechnet im Urlaub kaputt gehen kann. Einwegspritzen + Ersatz-Pen und eine Ampulle Ersatz für jedes Insulin.
    – Insulin kann man in allen Ländern nachkaufen und ist viel billiger als in Deutschland. Ärzte helfen immer beim Rezept. Also keine Panik!
    – Trotzdem ist eine Liste machen immer sinnvoll um nicht die wichtigsten Dinge zu vergessen.
    – Insulin hält bis 30 Grad aus! Apidra ließ ich mal im Schrank für 6 Monate liegen und das bei permanent 30 Grad in Singapur.
    Ich war skeptisch, aber die Wirkung war noch voll da! Es gibt also keinen Grund für mich, ständig mit einer Kühltasche herumzurennen und weniger Gepäck hat man obendrein. Einen Kühlschrank hat man auch selten. Ich arbeitete damals 2 Jahre permanent in Singapur. In Brasilien lebte ich 2 Wochen im Dschungel und dort gab es gar nix! Auch die Linienschiffreisen von Peru den Amazonas herunter nach Manaus machten mir nichts aus. Das Essen ist dort überall sehr gesund.
    Nur in Spanien, in Pamplona zum San Fermin, hatte ich mal eine schwere Unterzuckerung weil ich wohl zu aktiv war. Es halfen mir aber spanische Ärzte. Kostenlos! In Deutschland unvorstellbar. Ach ja, ohne Sprachkenntnisse kann schon zum Problem werden.
    In Venezuela war ich mal am Tropf in einem Ambulatorium, weil ich meinen Kopf nicht mehr drehen konnte. Genickstarre.
    Der Arzt hieß wirklich Jesus und er wollte nichts von mir haben! Das wäre dort überall so. 24 Std. später hatte ich keine Beschwerden mehr und konnte sogar wieder tauchen. Ich habe nur eine Auslands-Reiseversicherung der Allianz, die ich aber noch nie brauchte. Wenn überhaupt, muss man sofort bezahlen. Anrufe nützen da rein gar nix.
    In Australien bin ich mal 600km Rad gefahren. Von Adelaide nach Melbourne auf der Great Ocean Road. Allein. Wunderbar! Ich brauchte fast kein Insulin.
    Warum wohl? Also lieber mal das Auto stehen lassen und doppelt genießen!
    Wir leben nur einmal! Oder?

    Viele Grüße von Axel

    Jetzt freue ich mich schon auf 2 Wochen West-Australien am Jahresende und 2 Wochen Neuseeland danach, am Jahresanfang. Vieles muss man nicht mitnehmen, z.B. Sonnencreme. Es gibt überall so etwas zu kaufen und sogar von höherer Qualität. T-Shirts ebenso.

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