Ketone, Ketoazidose und wie man damit umgeht

by Saskia Kaup

Was nun?

Die letzten anderthalb Tage habe ich selbst mit positiven Ketone und einer beginnenden Ketoazidose verbracht. Irgendwie kam eins zum anderen und obwohl ich auf jeden Wert reagiert habe, waren da doch noch Fehlerquellen, mit denen ich zum Teil noch nie konfrontiert wurde und schwups, waren die Ketone da und haben es sich gemütlich gemacht. Für mich wurd’s dann aber eher ungemütlich.

Ich wollte euch gerne erzählen, wie unerwartet diese Ketone sich einnisten konnten und weil das einfach jedem Mal passieren kann, dachte ich auch direkt dabei zu schreiben, wie ich reagiert habe. Tatsächlich waren das meine ersten Ketone die mich mitgenommen haben, deswegen bin ich in diesem Prozedere nicht so sehr geübt, aber ich denke, wenn man gut geschult ist, dann kann man mit folgenden, einfachen Regeln, die Biester auch in den Griff kriegen.

Klar, ich hatte schon eine Ketoazidose, bei der ich drei Tage lang im Koma lag, aber daran kann ich mich kaum erinnern. Deswegen, ausgenommen von dieser gefährlichen Situation, kommen wir nun zu meinen ersten Ketonen, die ich wahrgenommen und nicht klinisch behandelt wurden.

Wie die Ketone sich einschlichen

Gestern morgen begann das Spektakel, als ich kurz bevor ich zur Arbeit gefahren bin, ein neues Reservoir mit Insulin gefüllt und einen neuen Katheter gesetzt hatte. Ich berechnete meinen Kaffee (Milchkaffee 15g Kohlenhydrate), den ich meist auf der Autofahrt trinke und kam schließlich mit einem Wert von 183mg/dl raus. Etwas zu hoch, für einen Kaffee, den ich mit SEA berechnet habe, nicht? Kurze Zeit später meldete mein Dexcom einen Wert von 260mg/dl, was mich dazu veranlasste einen neuen Katheter zu legen. Ich gab anschließend eine Korrektur und hoffte auf Besserung. Die aber leider nicht eintrat. 258mg/dl. Das konnte nicht wahr sein.

Ich entschied mich dazu noch einen Katheter zu legen und einen Bolus mit dem Einmalpen zu geben. Jetzt wollte ich sicher sein, dass ich nun wirklich auch mal Insulin an Board bekomme und der Wert sich normalisiert. Bis zum Feierabend hin kam ich auf 206mg/dl. Na, wenigstens etwas. Ich gab noch einen kleinen Bolus ab und fuhr nach Hause.

Der Signalverlust des Dexcom brachte mich dazu mal einen blutigen Wert zu machen und während ich schon an der Wasserflasche hin, bestätigte das Messgerät meine Hypersymptome. 358mg/dl. Ich konnte es nicht glauben. Somit entschloss ich mich für Katheter Nr. 4, aber diesmal inklusive Reservoirwechsel.

Abgelaufenes Insulin

Ich machte den Kühlschrank auf und griff nach meinem angebrochenen Insulin, welches ich erst am Wochenende aus der Apotheke geholt habe. Kühl und dunkel gelagert. Daran konnte nichts schlecht sein. Moment. Morgens früh war ich aber gar nicht am Kühlschrank gewesen. Ich hatte ein Fläschchen genommen, welches neben meiner Kaffeemaschiene stand. Oh Gott. Bestimmt ein Fläschchen welches schon wochenlang in der Sonne verweilte. Das musste der Fehler sein.

Normalerweise lagere ich angefangenes Insulin immer in der Küche, aber das gehörte da definitiv nicht hin und zerstörte meine komplette, wenn auch manchmal chaotische, Routine. Ich machte alles neu und entsorgte das alte Insulin. Jetzt konnte es ja nur noch besser werden, oder?

Beim Abendessen verschätzt

Aber Holla, die Waldfee. Da ging die Party richtig los. Im Nachhinein denke ich, es waren so 5 Einheiten die mir fehlten, aber die ganzen vorherigen hohen Werte, schafften den perfekten Raum für die Ketone. Gegen Abend saß ich neben meinem Freund im Auto und wir waren gerade auf dem Weg nach Hause, wo ich merkte, dass es mir immer schlechter ging. Ich konnte mich kaum noch konzentrieren, hatte keine Kraft mehr Antworten zu geben und wollte einfach nur was trinken. Wir hielten schnell am Supermarkt und ohne viele Worte brachte Andy mir eine kalte Coke light. Ich konnte aber nur einen kleinen Schluck trinken, denn die Kohlensäure schmiss die nächste Party in meinem Magen. Mir war übel. Ich hatte das Gefühl, als würde mir gleich das gesamte Essen wieder hoch kommen und das atmen fiel mir immer schwerer.

Wie erkennt man positive Ketone?

Symptome bei Ketonen (+++ oder dunkel lila)

– Durst
– trockener Mund
– häufiges Wasserlassen
– Kraftlosigkeit
– Konzentrationsschwäche
– Übelkeit und Erbrechen
– vertiefte Atmung
– Palpitation (wenn man den eigenen Herzschlag merkt)

Wie wird ein Ketontest durchgeführt?
Ketodiastix (PZN: 01437785)

– Messstab in Kontakt mit Urin bringen
– nach zwei Minute Uringlucose ablesen
– nach einer Minute Ketone ablesen

Empfehlung: Ketoazidose vs. Hungerketone – wer gerne mehr über die unterschiedlichen Prozesse erfahren mag, hier entlang.

Meine Reaktion auf die Ketone

Zu Hause angekommen, kuschelte ich mich in eine Wolldecke und wir checkten meinen Wert. Nicht mehr messbar. Nur schluckweise bekam ich das Wasser ohne Kohlensäure runter und immer wieder fielen mir die Augen zu. Doch bei so positiven Ketonen sollte man nicht einschlafen und auch nicht alleine sein. Andy testete nach 45 Minuten erneut meinen Wert. Jenseits der 500, aber immerhin wieder messbar. Insulin gab es reichlich, aber nur durch Einwegpens. Bei einem Wert von 420mg/dl schlief ich irgendwann ein. Ich konnte auch nicht mehr. Ich wusste nicht mehr wie ich liegen oder sitzen sollte, Wasser bekam ich nicht mehr runter und mein Magen feierte weiter. Andy blieb jedoch wach und beobachtete mich und meine Werte. Schleppend ging es voran.

In den frühen Morgenstunden wurde ich wach. Jenseits der 300 gab’s nochmal einen ordentliche Dosis Insulin und Andy ging endlich ins Bett. Ich sag euch: Ich liebe diesen Mann. Das er so lange wartet und selbst nicht schläft, wo es mir schlecht geht, ist keine Selbstverständlichkeit! ♥

Nach der Korrektur bin ich nochmal eingedöst und der Hermesbote klingelte mich um 8 Uhr wach. Mir war wieder schlecht, aber meine Atmung war normal. Ich setzte mich in die Ecke von der Couch und schaute nach dem aktuellen Wert. Etwas über 300mg/dl. Ich wollte wieder Insulin aufziehen, aber schaffte es tatsächlich nur noch bis zum Rand der Couch, wo mir dann wortwörtlich alles wieder hochkam. Das Badezimmer schien Kilometer entfernt, so kraftlos wie ich mich fühlte und ich rief aus dem Wohnzimmer, Andy auf seinem Handy im Schlafzimmer an.

Maßnahmen bei positiven Ketonen / Ketoazidose

– viel trinken
– regelmäßig den Blutzucker messen und korrigieren (habt ihr vielleicht sogar ein separates Korrekturschema gelernt für Ketone?)
– Fehlerquellen ausschließen: neuen Katheter legen, neues Reservoir befüllen, evtl. Einwegpens benutzen
– kein Sport machen
– nicht alleine sein
– nicht einschlafen
– nicht in Panik geraten

Ab wann sollte man ins Krankenhaus gehen?
Ich kann an dieser Stelle keine Grenze festlegen und auch keinen Ratschlag geben, aber wenn man das Gefühl hat, dass man alleine nicht mehr zu recht kommt, sollte man auf jeden Fall in das nächste Krankenhaus (nicht alleine!). Wenn man alleine ist, einfach einen Rettungswagen rufen und sich helfen lassen. Eine Ketoazidose ist wirklich nicht zu unterschätzen.

Was wird im Krankenhaus gemacht?
Im Krankenhaus bekommt man meist einen Zugang gelegt und Flüssigkeit sowie Insulin zugeführt. Zudem macht man auch eine Blutgasanalyse (BGA) um den pH-Wert zu bestimmen. Anschließend muss man auch hier die Ketone aussitzen, aber wenigstens steht man unter Beobachtung. Sobald der pH-Wert nämlich sinkt, verschiebt sich der Säure-Basen-Haushalt des ganzen Körpers und die Situation wird wirklich gefährlich.

Sooo, ich hoffe, dass ich dem ein oder anderen, dazu inspirieren konnte, auch außerhalb der routinierten Fehlerquellen, nach Fehlern zu suchen, um genau eine solche Situation, wie sie mir passiert ist, zu vermeiden und lasst mich gerne in den Kommentaren von euren Erfahrungen lesen.

Hinterlass' mir gerne ein Kommentar

Weitere Beiträge

Diese Seite benutzt (garantiert kohlenhydratfreie!) Cookies, um deine Nutzererfahrung zu verbessern. In meiner Datenschutzerklärung kannst du dich darüber informieren, welche personenbezogenen Daten hier gespeichert werden. So viel vorweg: Ich gehe sehr sorgsam damit um und erhebe nur Daten, wo es aus meiner Sicht wirklich zwingend notwendig ist. Alles klar! Mehr lesen.