T1D Projekt: Postprandiale Werte ohne Diabetes

by Saskia Kaup

Jeden Tag ist es unsere Aufgabe, unsere Blutzuckerwerte im Normalbereich zu halten. Als Andy die ersten Tage mit meinem Dexcom beobachten konnte, wie seine Werte ausschlagen und absinken, hat er seine Schwankungen sofort gepostet und das Interesse war auf ein mal riesig. So, dass wir das T1D Projekt spontan um diesen Artikel erweitert haben. Andy hat immer wieder gefragt, welche Lebensmittel euch am meisten interessieren und diese dann gegessen und seine Werte gezeigt. Natürlich waren dann sehr viele Nahrungsmittel gefragt, die uns T1’er manchmal den letzten Nerv rauben. Aber warum gibt es überhaupt diese unterschiedlichen Blutzuckerschwankungen nach bestimmten Lebensmitteln? Warum grault es uns manchmal vor der Nacht, wenn wir abends noch Pizza essen wollen?

Glykämischer Index

Es kommt auf die Zusammensetzung von den Lebensmitteln an, wie schnell die Kohlenhydrate ins Blut gelangen. Der objektive und aussagekräftigste Wert dafür ist der GI (glykämischer Index). Traubenzucker hat z.B. mit einem Wert von 100 den höchsten GI und gelangt mit am schnellsten ins Blut. Hingegen haben Vollkornprodukte meist nur einen GI von 50, wie z.B. Pumpernickel. In diesem Zusammenhang spricht man auch von guten und schlechten Kohlenhydraten. Einfacher Zucker wird eben viel schneller aufgenommen, als ballaststoffreiche Kohlenhydrate, wo wir unserem Körper was zu tun geben. Oft ist es aber so, dass wir uns nur unterbewusst mit dem glykämischen Index beschäftigen, wenn wir uns die Frage stellen: “Was esse ich jetzt gegen meine Hypo?”. Da wählen wir die Lebensmittel, die einfach schnell für eine Spitze sorgen und uns aus dem Tief rausholen. Aber wer beschäftigt sich bei hohen Werten noch mit dem glykämischen Index, obwohl der Wert sich dadurch vielleicht erklären lassen könnte?

Fett & Protein

Der nächste Faktor, der die Aufnahme von Kohlenhydraten beeinflusst, sind Fette und Proteine. Beide verlangsamen die Aufnahme ins Blut und sind ausgezeichnete Preisträger für hohen Werte, noch Stunden nach dem Essen. Kombiniert man also einen hohen GI mit Fett (z.B. Pizza), gelangen die Kohlenhydrate doch nicht mehr so schnell ins Blut wie erwartet. Also rechnen wir neben den FPE’s (Fett – und Proteineinheiten) auch noch die Zeit aus, in der wir die verlangsamte Aufnahme vermuten um so einen Multiwave-Bolus einzustellen. Viel Arbeit damit wir im Normbereich bleiben, oder? Und dann ärgern wir uns, wenn es doch nicht funktioniert hat. Durch Andy’s Werte sehen wir aber, dass auch bei einem Menschen ohne Diabetes, Fette, Proteine oder ein hoher GI für Schwankungen sorgen können.

Stress, Hormone, Kohlenhydrate & Bewegung

Letztendlich nehmen viel zu viele Faktoren Einfluss auf unseren Blutzucker. Einige davon, wie Kohlenhydrate, FPE’s und sportliche Aktivitäten können wir, durch die gesammelten Erfahrungen natürlich einschätzen, manche aber auch einfach nicht. Manchmal läuft es trotz dem ganzen Wissen und dem Rechnen nicht rund und genau dort setzen wir uns fälschlicherweise das Ziel, perfekte Werte im Normalbereich zu haben. “Time in range” eben, oder eben nicht. Auch Andy’s Werte (ohne Typ 1 Diabetes) sind nicht perfekt. Ich will niemanden animieren, den Diabetes auf die leichte Schulter zu nehmen, aber manchmal sollte man sich selbst gegenüber nicht zu streng sein. Weniger Vorwürfe – das sind nur Werte und keine Bewertungen!

Starbucks mit Kathy

Kathy hat Andy direkt zum Starbucks eingeladen und wollte die Auswirkung des mächtigen Schokokuchens sehen, der 7,5 KE hat. Ernüchterndes Ergebnis, dafür sieht man schon eher die drei Spitzen nach dem Jägerschnitzel mit Pommes und Mayo.

Müsli & Mars

Der nächste Auftrag trudelte von unserer anderen Kathi rein. Es ging um Müsli. Müsli mit Joghurt und Obst, welches ihr immer die Nerven raubt. Andy hat das Müsli aber ziemlich einfach weggesteckt, anders bei dem Mars Riegel (3,5 KE) am Abend, der hat direkt für eine ordentliche Insulinausschüttung gesorgt und den Dexcom alarmieren lassen.

Müsli (insgesamt 10 KE): Apfel 1 KE, 500g Magermilchjoghurt 3 KE, 100g Vollkorn-Früchte-Müsli (Seitenbacher) 6 KE

Milchreis

Ja, der bekannte Milchreis von Mondamin wurde in 500ml sprudelnder, fettarmer Milch aufgekocht und mit Zucker & Zimt abgeschmeckt. Insgesamt 3 KE für den Milchreis plus den Zucker der obendrauf ist. Also hat Andy 5 KE geschätzt, die seine Kurve auch ordentlich nach oben ausschweifen ließ.


Mehr Lebensmittel, unter anderem auch die meist gewünschte Pizza, findet ihr auf Instagram im Feed und in den Story-Highlights bei Andy @typefdiabetic und damit sind wir nun auch schon am Ende von unserem T1D Projekt. Zum Abschluss:

Danke!

Für mich war es so berührend eure Nachrichten zu lesen, in denen ihr gesagt habt, dass ihr euch auch so einen Freund wünscht, der sowas machen würde oder wenigstens etwas Verständnis für den Diabetes hätte. Ich bin also unendlich dankbar dafür, Schatz, dass du jeden Tag mit Pia und mir aushältst und für mich da bist <3

Leave a Comment

You may also like

Diese Seite benutzt (garantiert kohlenhydratfreie!) Cookies, um deine Nutzererfahrung zu verbessern. In meiner Datenschutzerklärung kannst du dich darüber informieren, welche personenbezogenen Daten hier gespeichert werden. So viel vorweg: Ich gehe sehr sorgsam damit um und erhebe nur Daten, wo es aus meiner Sicht wirklich zwingend notwendig ist. Alles klar! Mehr lesen.