Der Weg zur Weiterbildung Diabetesberaterin DDG

by Saskia Kaup

In meinem zweiten Ausbildungsjahr zur Gesundheits- und Krankenpflegerin, da wo man sich anfängt Gedanken zu machen, wo man später arbeiten und/oder welche Fortbildung man machen könnte, war für mich klar, dass ich Diabetesberaterin werden möchte. Vor ungefähr fünf Jahren habe ich also begonnen die Seite der Deutschen Diabetesgesellschaft zu studieren, um herauszufinden, unter welchen Voraussetzungen ich in diesen Werdegang absolvieren kann.

Zulassungsvoraussetzungen für die Weiterbildung

zugelassener medizinischer Grundberuf

erfolgreich durchgeführtes Bewerbungsgespräch

Nachweis einer Tätigkeit im Praxisfeld der Diabetologie während der Weiterbildungszeit (z.B. in einem Krankenhaus, einer Praxis oder einer Rehabilitationsklinik) unter Anleitung eines Diabetologen zur Erbringung der Praxiszeit von 584 Stunden. Diese müssen in einem Zeitraum von ca. 1 Jahr  geleistet werden. Dies entspricht einer Beschäftigung von mindestens 50% einer Vollzeitstelle. Sofern eine geringere Teilzeitbeschäftigung vorliegt, kann die Praxiszeit in maximal 18 Monaten erbracht werden.

Kenntnis über den Weiterbildungsplan

Besondere Zulassungsfälle findet ihr auf der Seite der Deutschen Diabetesgesellschaft sowie auch die Möglichkeit der Aufbauqualifikation.

Persönliche Entwicklung

Ich habe dann den Gedanken bei Seite gelegt, nachdem ich gemerkt habe, dass ich keine 584 Stunden in einer diabetologischen Praxis arbeiten kann, wenn ich als Krankenpflegerin in Vollzeit arbeite. Am sinnvollsten ist es also, wenn man schon in einer diabetologischen Praxis arbeitet, um dort auch zu lernen. Wenn man natürlich die finanziellen Möglichkeiten hat, kann man diese Zeit auch (ohne Einkommen) hospitieren. Für mich war das aber nicht möglich, da ich schon mit 17 Jahren ausgezogen bin. Von meinem Ausbildungsgehalt musste ich schließlich mein Auto und die gemeinsame Wohnung mit Andy zusammen finanzieren. Also selbst die Kurskosten hätte ich zu dem Zeitpunkt nicht aufbringen können. Nach meinem Examen zur Gesundheits- und Krankenpflegerin, musste der Wunsch Diabetesberaterin zu werden, also pausieren und das Sparbuch voller werden.

Kurskosten der Weiterbildung zur Diabetesberaterin
3400 Euro Kursgebühr
300 Euro Anmeldegebühr
200 Euro Prüfungsgebühr
150 Euro Kopien und Skripte

Zusätzliche Kosten:
Je nach dem, an welchem Standort man die Weiterbildung machen möchte, muss man dort auch für den Blockunterricht die Unterkunftskosten aufbringen.

Kursorte
Bad Mergentheim
Rheine
Berlin
Traunstein
Regensburg
Jena

Weiterbildung Diabetesberaterin DDG

Jetzt bin ich hier. Ich, Glückspilz, habe durch Zufall letztes Jahr einen Job in einer diabetologischen Praxis bekommen und so auch die Möglichkeit, die Weiterbildung in Bad Mergentheim zu machen. Viel schneller als ich gedacht habe saß ich also die letzten zwei Wochen im ersten Schulblock. Bis Herbst 2020 folgen noch 5 weitere Blöcke und verschiedene Modulprüfungen.

Typ 1 Diabetikerin, Diabetesbloggerin und angehende Diabetesberaterin

Ganz schön viel Diabetes, nicht?

Genau diese Frage kam auch in meinem Bewerbungsgespräch auf. Doch ich hatte jetzt vor dem Kursbeginn ein ganzes Jahr lang Zeit in der Diabetologie zu arbeiten und es gab noch nicht einen Tag, wo es mir zu viel Diabetes wurde. Okay, mein eigener Diabetes, aber wer wünscht sich schon seinen eigenen Typ 1 Diabetes?
Also eher im Gegenteil. Ich liebe diesen Job und ich merke immer wieder, wie viel ich unseren Patienten mitgeben kann. Jetzt muss nur noch das Fachwissen her – und davon gab’s im ersten Block ganz schön viel. Bisher hatte ich noch keine Ahnung davon wie sich humane Insuline von Insulin Analoga unterscheiden oder wie der Stoffwechsel im Detail funktioniert. Bald schon.

Im nächsten Block steht nämlich schon die erste schriftliche Klausur an. Diese Note ist dann schon relevant für meine Abschlussnote (und damit auch, ob ich überhaupt bestehen werde). Jetzt müssen bunt bekritzelte Karteikarten her, auf denen sich nachher sämtliche Fachbegriffe aneinanderreihen werden. Ich genieße also keinen großartigen Vorteil davon selbst Typ 1 Diabetes zu haben. Themen wie die Dosisanpassung, Genetik und Ernährungsempfehlungen der DDG/DGE sowie all die oralen Antidiabetika, die hauptsächlich bei Typ 2 Diabetes eingesetzt werden, sind mir absolut neu.

Einen kleinen Vorteil haben wir Betroffenen im Kurs jedoch, wenn es um die Technik geht. Übrigens neben mir gibt es noch eine weitere Typ 1 Diabetikerin und eine Kursteilnehmerin mit einem insulinpflichtigen Moody Diabetes. Ich schätze also wenn es später um CGM Sensoren, Insulinpumpen und Blutzuckertestgeräte und deren Handhabung geht, sind wir damit bestimmt vertrauter, aber da können wir dann die anderen Kursteilnehmerinnen unterstützen und zeigen wie’s funktioniert. Unterstützend, motiviert und harmonierend ist unser Kurs nämlich auf jeden Fall!

Hausaufgabe: Selbstversuch

Bis zum kommenden Block haben wir die Hausaufgabe bekommen, selbst eine Woche als Mensch mit Diabetes und ICT/CSII Therapie zu leben. Ich muss diese Aufgabe natürlich nicht so absolvieren, da das Leben mit Insulinpumpe für mich alltäglich ist. Doch trotzdem empfinde ich es als sehr spannende und wertvolle Aufgabe, wenn man sich als Diabetesberaterin auch mal in die Lage eines Betroffenen versetzt. Es fördert die Empathie und das Vertrauen innerhalb eines Beratungsgespräches, da man merkt, dass die Diabetesberaterin wirklich weiß, von welchem Vollzeitjob sie spricht. Obwohl sie den eigentlich nicht jeden Tag ausüben muss.

Den nächsten Artikel in dieser Kategorie werde ich also nicht selber schreiben, sondern tippt Patricia ihre Erfahrungen, die sie während des Selbstversuches macht, für euch. Ich freue mich schon riesig auf die verschiedenen Erfahrungen des gesamten Kurses. und natürlich werde ich auf Wunsch einige Teilnehmerinnen und natürlich auch Patricia während ihres Versuches mal nachts wachklingeln, für eine Hypo – sorry ihr Lieben ♥

Zwei Wochen, wie im Flug

Die Zeit rennt immer. Besonders wenn einem etwas gefällt und Spaß macht. So schnell waren auch die ersten zwei Wochen in Bad Mergentheim um. Bestimmt wird das gesamte Jahr sich nachher anfühlen, als wäre es im Flug an einem vorbei gezogen. Um so wichtiger, jeden schönen Moment und jede Gelegenheit mitzunehmen. Bad Mergentheim war wie eine kleine Auszeit vom normalen Alltag. Ich hatte eine Airbnb Wohnung in Markelsheim, bin jeden Morgen durch den Kurpark gelaufen und konnte mir sogar angewöhnen zu frühstücken. Jeder einzelne Tag ging zwar immer sehr schnell um, aber die Tage waren nicht gefüllt mit Haushalt, Einkaufen und sonstigen Erledigungen, die ich zu Hause mache. Viel mehr sind wir nach der Schulzeit gemeinsam Essen gegangen oder haben uns bis spät abends in den Kurpark gesetzt und dort die vielen schönen Details kennengelernt, wie beispielsweise den Gradierpavillon und vor allem: ganz viel geredet. Ich glaube so viele tolle Gespräche, geballt auf 14 Tagen, hatte ich schon lange nicht mehr.

Sich wohlfühlen und ein stärkendes soziales Umfeld haben sind für mich wie Grundbausteine, um mit der kommenden Herausforderung der Weiterbildung zu wachsen. Jetzt bin ich gespannt auf den nächsten Block und freue mich auf die zukünftige Zeit mit dem Kurs ♥

Gibt es etwas, was euch besonders interessiert und unbedingt einen Platz hier auf dem Blog finden sollte? Lasst mich das gerne wissen und umsetzen. Ich freue mich, so viele schöne, spannende und wissenswerte Momente und Erfahrungen, wie möglich festzuhalten und mit euch teilen zu können.

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1 Kommentar

Melanie Gilzer 03.10.2019 - 23:36

Sehr schön geschrieben! Das wird eine harte Zeit in Bad Mergentheim aber der Kurs ist einfach nur Spitze. Da freut man sich richtig auf den nächsten Block.
Mein Selbstversuch läuft nun schon den vierten Tag- und eins weiss ich. Ich berate gerne -aber Rollen tauschen – ungern. Kann jeden verstehen der mal eine Auszeit vom Diabetes braucht. Ich habe derzeit die 640G anhängen. Würde gerne noch den Omnipod testen. Mal sehn ob ich unsern Vertreter überreden kann.
Ich freu mich dich schon bald wieder zu sehn. P.s. tolle Photocollage

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