Diabetes Typ F The way to pump

Typ F: Ein Jahr bis zu ihrer Pumpe

Als Typ F’ler geht man viele schwierige Wege mit seinem zuckersüßen Partner. Es gibt immer wieder neue Herausforderungen und es wird eigentlich nie langweilig: Wie auch nun von dem Zeitpunkt an, als die Entscheidung fiel das Saskia eine Pumpe tragen möchte. Wir haben vorher viel miteinander darüber geredet, da sie ja ursprünglich keine Pumpe wollte. Wir haben Vor- und Nachteile gesammelt und natürlich stand auch die Frage im Raum, was ich davon halte. Besonders wichtig war ihr irgendwie, wie ich es finde, dass dann kontinuierlich ein Gerät an ihr hängt. Natürlich wird es bestimmt erstmal komisch. Klar Sie trägt auch den Freestyle Libre Sensor, nur im Gegensatz zu einer Pumpe ist dieser ziemlich klein und den nehme ich auch gar nicht mehr wirklich wahr. Aber ein, ich sag mal großes Gerät, das wird Anfangs garantiert ungewohnt, aber auch wie der Sensor wird die Pumpe irgendwann einfach dazu gehören und da es dem gesundheitlichen Wohlbefinden dient, stand für mich von Anfang an nichts dagegen. Wenn ich ehrlich bin, mach‘ ich mir darüber sogar gar keine Gedanken!

Der erste Antrag

Nur alleine mit der „gemeinsamen“ Entscheidung, wir wollen eine Pumpe, war es bis dahin natürlich noch nicht getan. Nun ging es über zu dem schwierigen Teil. Wir mussten erstmal ihren Diabetologen, was sich als nicht so einfach rausstellte, dann die Krankenkasse und den MDK überzeugen, dass eine Pumpentherapie das Beste ist. Allerdings hatte ich damit jetzt nicht ganz so viel zu tun, denn die Termine bei ihrer Diafee für sämtliche Gespräche und Anträge, hat sie alleine bestritten. Und nun hieß es Warten – Warten bis hoffentlich positive Resonanz der Krankenkasse kommt. Tägliches, hoffnungsvolles in den Briefkasten gucken gehörte ab sofort zum Alltag für uns. Und ziemlich schnell kam auch die erste Absage. Ich kam abends nach Hause. Sie hatte den Brief schon geöffnet und als ich ihn las, kamen ihr wieder die Tränen. In dem Moment war es meine Aufgabe sie einfach nur aufzubauen, ihr irgendwie Mut und Hoffnung geben, weiter zu machen. In den folgenden Tagen aber stellte sich heraus, dass der Fehler nicht bei ihr lag, sondern der Praxis unterlaufen war und dass somit ein komplett neuer Antrag geschrieben wird. Den Spielraum hat sie auch genutzt um sich letztendlich für die Ypsopump zu entscheiden, die ein paar Tage zuvor erst offiziell auf den Markt gekommen ist. Wir waren also beide wieder optimistisch. Aber ihre Angst vor einer nächsten Absage wurde größer.

Sie wollte nicht mehr in den Briefkasten schauen

Gefühlt war dieses Warten schlimmer, als beim ersten mal. Jetzt hieß es: „Schatz guck du in den Briefkasten“. Jedes mal, wenn man am Briefkasten vorbeigegangen ist war es meine Aufgabe reinzugucken. Tag für Tag, ernüchternd, wenn nichts drin war, oder Post von der Krankenkasse drin war, es aber nur Werbung war. Jede Aufregung und Nervenflattern umsonst. Bei Saskia war es so, dass immer wenn Sie Post von der Krankenkasse sah sofort weinen musste. Also noch bevor es überhaupt zum Öffnen der Post gekommen ist. Und während der ganzen Anträge kamen auch immer wieder kurze Info-Schreiben der KK, wenn irgendwas weitergeleitet worden ist oder solche Sachen wie: „Wir bearbeiten Ihren Antrag so schnell wie möglich“. Also wurde es zu meiner Aufgabe in den Briefkasten zu gucken.

Dann aber erreichte uns wieder eine Absage. Die Gründe waren unverständlich und wieder weit hergeholt. Zu Gute kam es uns, dass wir am darauffolgenden Wochenende direkt in Berlin auf dem T1Day waren und auch dort das Thema Pumpenanträge und rechtliche Schritte Thema waren. Zudem war der Austausch mit anderen Diabetikern und Pumpenträgern sehr hilfreich. Klar, waren wir enttäuscht, aber mal ehrlich? Bei wem hat es direkt beim ersten Antrag geklappt? Wir waren also eher zuversichtlich, dass es nach dem Widerspruch nur noch bergauf gehen kann, da sich zum Jahreswechsel der Ablauf eines Pumpenantrages geändert hatte und wir somit sowieso im Recht waren. Doch nach dem Einreichen des Widerspruches ging das Warten wieder los.

 

Schatz, meinst du ich trage im Urlaub meine Pumpe?

Ende letzten Jahres stellte Sie mir diese Frage. Und ich war mir sicher, dass sie bis dahin ihre Pumpe endlich hat. Anfang Mai steht unser zweiwöchiger Strandurlaub an und es war noch viel Zeit bis dahin, aber die Zeit wurde knapper und knapper. Wir waren wieder am Warten.

Glaubt mir dieses Warten ist mit das Schlimmste, sowohl für den Diabetiker, als auch für mich Typ F’ler. Immer und immer wieder, die Blicke in den leeren Briefkasten, es war ernüchternd und so langsam glaubte ich auch, dass es zeitlich schwierig wird, die Pumpe rechtzeitig zum Urlaub zu haben. Schließlich hatten wir mittlerweile schon März und es waren nur noch zwei Monate bis zum Urlaub.

Post von der Krankenkasse: Mein Zwiespalt

Diesmal war es ein ziemlich dicker Briefumschlag, den ich in den Händen hielt. Ich wollte ihn selbst nicht mal öffnen, weil ich irgendwie genau wusste, dass darin wieder eine Entscheidung der KK steht. Saskia hatte noch Frühdienst und war noch nicht zu Hause. Ein Tag später war unsere Abreise für ein Wochenende in Hamburg geplant. Wollte ich ihr das Wochenende nun vermiesen, wenn die Entscheidung mal wieder negativ war? Ich bin mit dem Brief erst mal zu meiner Mutter und hab Sie um Rat gefragt. Aber ich konnte den Brief ja jetzt auch nicht das ganze Wochenende lang verstecken. Oder selbst aufmachen und bei einer Absage verstecken und bei einer Zusage zeigen? Ich wusste nicht weiter. Als sie dann nach Hause kam entschied ich mich ihr den Brief einfach ungeöffnet zu geben und ich bekam direkt einen Vorwurf. „Warum gibst du mir den, ich hab doch gesagt du sollst sowas alleine öffnen, ich kann das nicht“. Also öffnete ich, las die ersten Sätze und meinen Grinsen zu Folge, freute sie sich schon wie ein Schneekönig, riss mir den Brief aus der Hand und las selbst, vor Freude stiegen uns Tränen in die Augen. Es war die Zusage zur dreimonatigen Pumpenerprobung. Somit war klar die Pumpe ist im Urlaub mit am Start, das erste Etappenziel ist erreicht und nun geht ab nächste Woche die Einstellungsphase los: Und anschließend in den Urlaub, mit der Hoffnung das die Pumpe nun für immer zu uns gehört und sich die ganze Prozedur gelohnt hat. Denn in drei Monaten geht es wieder los. Wir wollen ja die Pumpe für immer genehmigt haben und nicht nur für drei Monate zur Erprobung.

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Hallo zusammen. Ich bin Andy, 24 Jahre alt und der Typ F'ler meiner Typ 1 Diabetikerin. Also Freund, Traubenzuckerbringer, Unterzuckerungszickereinaushalter, Pen und Messgeräthinterherträger, sich immer wieder Sorgenmacher, Sensorsetzer und die Schulter zum Ausheulen. Ich lebe also zwischen Insulineinheiten, Korrekturfaktoren und wache nachts im Traubenzuckerpapier auf. Ich erlebe all das was zum Typ F - Leben dazu gehört und zwischendurch schreibe ich immer wieder gerne darüber und freu mich auf eurer Feedback!

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