Feelings The way to pump

Wenn der MDK über deine Zukunft entscheidet

MDK Prüfung

Ständig bleibt mein Herz stehen, wenn ich Post von meiner Krankenkasse bekomme. Und das nicht weil ich übertreibe, sondern weil meine Krankenkasse und der MDK mein Leben durch die Diabetestherapie in der Hand haben. Sie dürfen entscheiden welchen CGM Sensor ich trage, welche Pumpe genehmigt wird und begrenzen sogar meine Teststreifen, die ich in einem Quartal verwenden darf. Passt ihnen was nicht? Abgelehnt.

Der Antrag auf meine Pumpe

Mein erster Antrag wurde direkt abgelehnt, anschließend musste ich also einen Widerspruch schreiben und die MDK Prüfung abwarten. Das war das erste Mal, dass ich mich in diesem Maße mich mit der Krankenkasse auseinandersetzten musste und auch wenn ich die rechtlichen Wege alle verstanden habe, moralisch geht das meiner Meinung nach, null! Meine Mutter meinte in dem Zusammenhang, dass die Krankenkassen grundsätzlich erst Mal ablehnen, denn viele akzeptieren diese Entscheidung und nur wenige gehen in den Widerspruch und selbst wenn es dann in den Widerspruch geht, hat die Krankenkasse sehr viel Zeit gewonnen, bis sie zahlen müssen. Insgesamt habe ich mich 1 Jahr damit rumgeplagt meine Pumpe zu bekommen. Ich würde gerne mal wissen, wie es bei euch war. Wer hatte den längsten Pumpenantrag?

SGB 5: ausreichend, zweckmässig und wirtschaftlich

Meine Therapie muss wirtschaftlich sein? Ja und deswegen würde ja auch ein Insulinpen ausreichen im Gegensatz zu einer 4.500 Euro teuren Pumpe. Aber welche Therapie ist besser? Was zählt jetzt mehr? Eine gesundheitlich, bessere oder eine wirtschaftlich bessere Therapie?

Das Sozialgesetzbuch (SGB V) regelt die gesetzliche Krankenversicherung und im § 1 Solidarität und Eigenverantwortung finden sich folgende Worte: „Die Krankenversicherung als Solidargemeinschaft hat die Aufgabe, die Gesundheit der Versicherten zu erhalten, wiederherzustellen oder ihren Gesundheitszustand zu bessern“. Hingegen im § 12 Wirtschaftlichkeitsgebot stehen folgende Worte: „Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten“. Irgendwie grenzwertig, nicht? Und letztendlich entscheidet irgendein fremder Arzt, anhand objektiver Daten, über meine Zukunft?

Angst, Zittern und Warten…

Diese ganzen Wartezeiten waren schrecklich. Besonders noch vor der Zusage für die Erprobungsphase. Innerlich war ich so angespannt. Jedes Mal wenn ich morgens mit einem hohen Wert raus kam und genau wusste, dass ich dafür nichts kann, habe ich mich gefragt, ob dieses ganze Verfahren nicht schneller gehen kann. Wie kann man einem Menschen, über einen so langen Zeitraum das antun? Natürlich sind Krankenkassen wirtschaftliche Unternehmen und auch die Mitarbeiter müssen sich an ihre Vorschriften halten. Und überhaupt bin ich dankbar, dass ich in einem Land lebe, wo es dieses Gesundheitssystem gibt, aber das war mir manchmal auch einfach egal. Ich war diejenige, die morgens mit Werten über 300mg/dl aufstehen musste. Und auch wenn ich sofort eine Korrektur gespritzt habe, ging es mir die ersten 1-2 Stunden meiner Arbeitszeit schlecht. Krankmelden? Nicht ein einziges Mal. Und all das während irgendwelche fremde Menschen, die bestimmt noch gemütlich ihren Kaffee schlürfen, über meine Zukunft entscheiden… Wie es Andy und mir während der ganzen Wartezeit ging und warum ich letztendlich nicht mehr selbst in den Briefkasten schauen wollte, hat er letztens in einem Beitrag zusammengefasst. Diese psychische Belastung wünscht man wirklich niemanden.

Die Erleichterung: Meine Pia bleibt

Für immer! Ein letztes Mal musste ich weinen, als ich die Post von der Krankenkasse in der Hand hielt. Ein aller letztes Mal. Und ich bin überglücklich und mir fällt ein riesen großer Stein vom Herzen. Aber mit dieser Erleichterung habe ich auch diesen ganzen Prozess Revue passieren lassen und ich frage mich wirklich, warum musste es so lange dauern? Am 05.07.2016 habe ich das erste Mal darüber geschrieben, dass ich mir eine Pumpe wünsche und vor allem darüber, dass ich erst mal meinen Diabetolgen davon überzeugen musste. Nehmen wir das als fixes Datum, auch wenn ich mir ganz bestimmt schon vor dem Blogbeitrag darüber Gedanken gemacht habe, waren das 10 Monate bis ich die Pumpe zur Erprobung bekommen habe. 10 Monate in denen es mir nicht gut ging. 293 Tage an denen ich mich immer wieder mit hohen Morgenwerten und meiner daraus resultierenden, mangelnden Motivation beschäftigen musste. 293 Tage an den mein HbA1c immer über 9% lag. 293 Tage während es Sachbearbeitern vermutlich gut ging!

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