Feelings Lifestyle

Urlaub und den Diabetes im Handgepäck

Nein, ich müsste viel eher sagen, dass der Diabetes ganz unten in der Reisetasche war, versteckt unter den typisch zu viel eingepackten Sachen – und da durfte er die vier Tage auch bleiben, denn von den Sorgen, die er mir bereiten wollte, hab ich mich und den Urlaub in Holland nicht beeinflussen lassen.
Vielleicht positiv für die schönen Urlaubstage mit der Familie, aber auf der anderen Seite, bin ich genau in das Schema zurück gefallen, wie ich zuvor die Jahre meine Diabetestherapie gestaltet habe. Gekonnt ignoriert, nicht Gemessen, Gespritzt nach Gefühl und mir selbst alles Schön geredet.

Was lief denn da so schief, dass ich den Diabetes am liebsten zu Hause gelassen hätte?
Wir sind Freitag erst ziemlich spät am Nachmittag los gefahren, die ganze Familie war mit an Board, oder auf zwei Autos aufgeteilt, sogar Oma mit ihrem Diabetes Typ 2. Letztendlich sind wir also erst am Abend angekommen und mussten anschließend noch zwei Stunden damit verbringen, unser gemietetes Häuschen zu finden. Nach dem ganzen Stress habe ich dem Diabetes nicht mehr „Gute Nacht“ gesagt. Das Gute-Nacht- und Guten-Morgen-Sagen, habe ich mit meiner Diafee vor ein paar Monaten besprochen, wo ich so langsam angefangen habe, meinem Diabetes, in meinem Alltag einen Platz zu schenken. Das bedeutet, dass ich mindestens zwei Werte am Tag gesichert waren und ggf. eine Korrektur dazu. Aber dies fiel am Freitag Abend schon aus und sorgte am Samstag Morgen für einen tollen Guten-Morgen-Wert, den ich verzweifelt versucht habe zu korrigieren. Mittags waren wir angekommen, in Renesse und haben uns mit Oma und Rollator auf den Weg zum Meer gemacht. Ein ziemlich schöner Moment, denn wir konnten so Oma den Wunsch erfüllen, zum ersten Mal in ihrem Leben das Meer zu sehen. Doch dann..
..endete das Familien-Foto-Shooting für mich und leider auch für meinen Freund, in einer Hypo. Wir sind etwas weiter zurück gegangen, wo ich mir einen Sitzplatz gesucht habe, um anschließend in meiner Handtasche nach Traubenzucker und Müsliriegel zu wühlen und den Rest der Familie aus der Ferne beobachten konnte.

holland 690 (1)

Vielleicht war das der entscheidende Punkt, warum die kommenden zwei Tage nur noch drunter und drüber liefen, denn am Sonntag war das Wetter unglaublich schön, sodass wir den Tag am Strand verbracht haben und irgendwas hat mich dazu veranlasst, dass Messgerät nicht mitzunehmen. Ich glaube, am Sonntag habe ich den ganzen Tag sogar keinen Wert gemacht und so hat sich auch der Montag durch geschlichen bis wir Nachts nach Hause gekommen sind. In der Nacht von Montag auf Dienstag haben wir so nur ein paar Stündchen Schlaf ergattern können, was dazu geführt hat, dass ich am Dienstag vor der Schule mein Tresiba vergessen habe.

An dem Punkt angekommen habe ich mir Gedanken gemacht, was die letzten Tage passiert ist, vielleicht habe ich es in dem Moment erst wirklich realisiert oder an mich heran gelassen – zu mindestens ist das der Gedankengang, an den ich Euch gerade teil haben lasse. Vielleicht habe ich im Unterbewusstsein dem Diabetes die Schuld gegeben, dass der erste Tag mit Oma am Strand in einer Hypo verlief und mir einige schöne Momente geraubt hat – doch eigentlich war ich selbst dafür verantwortlich. Nach diesen Gedankengängen hieß es natürlich sofort wieder Motivation fassen, den Diabetes wieder in die Handtasche räumen und Aufmerksamkeit schenken, dennoch hat der Urlaub gezeigt, wie schwer es ist, die über Jahre lang angelernte Verhaltensweise abzulegen und wie leicht, ich mich von meinem Weg abbringen lasse und in das alte Schema zurück verfalle. „Das geht wohl alles nicht von heut‘ auf morgen“

No Comments

No Comments

Leave a Reply

Durch das Fortsetzen der Benutzung dieser Seite, stimmst du der Benutzung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis möglich zu geben. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen zu verwenden fortzufahren, oder klicken Sie auf "Akzeptieren" unten, dann erklären Sie sich mit diesen.

Schließen