Feelings The way to pump

Unterdrückte Gefühle verstopfen das Herz

Vollkommen aufgelöst bin ich aus der Praxis raus. Ich stand neben mir, bis ich in dem Armen von meinem Freund zu Hause vollkommen zusammen gebrochen bin. Anfang Juni…

Ich bin aufgewacht, mal wieder mit einem Wert von über 300mg/dl. Das war nichts Neues, sondern eher schon ein Dauerzustand, den ich in meine morgendliche Routine mit integriert habe, seitdem mein Tresibavorrat aufgebraucht und ich auf das Toujeo umgestellt worden bin. Nur an dem morgen hatte ich zusätzlich unglaubliche Kreislaufprobleme. Immer wieder wurde mir schummerig und allgemein fühlte ich mich schwach. Ich war sowieso im engen Kontakt zu meiner Diafee, per Whatsapp hab ich ihr gezeigt, wie meine Werte in den frühen Morgenstunden ansteigen und anhand der Librekurve ist dies ja auch super nachzuvollziehen. Zuerst haben wir immer weiter das Toujeo erhöht, bis wir bei 36 iE angekommen waren und so langsam die Umstellung auf das Levemir im Raum stand.

An dem morgen habe ich mich also krank gemeldet. Ganz davon ab, dass ich die Verantwortung für meine Patienten trage, war es in dem Moment unmöglich für mich, mit Kreislaufproblemen eine 45km Strecke über die Autobahn zu fahren. Aber anscheinend empfand nur ich das als gefährlich, mein Diabetologe war da anderer Meinung.

Den Vormittag über habe ich mich ausgeruht, meinen Wert korrigiert und viel getrunken, bis ich mich dazu in der Lage fühlte, zu meinem Diabetologen zu gehen. Ich habe meine kompletten Dokumentationen mitgebracht, die aus der MySugr App sowie die Auslesedaten des Freestyle Libres, ihm von all dem Symptomen und den Schwierigkeiten mit meinem Basalinsulin erzählt und dass ich mich an diesem Tag krank gemeldet habe. Er rief anschließend meine Diafee, also Diabetesberaterin mit dazu, holte sich ein paar Informationen zu meiner Therapie ein und erfuhr von dem Wunsch, dass ich gerne eine Pumpe tragen möchte. Ja, spätestens seit dem fest stand, dass der Vertrieb von Tresiba eingestellt wird, war für mich klar, dass ich eine Pumpe möchte und ich denke, als junge Krankenschwester, im Schichtdienst ist es durchaus ligitim, ganz unabhängig davon welche Basalinsuline auf dem Markt sind und welche nicht, eine Pumpe tragen zu wollen. Ihm jedoch passt mein HbA1c nicht. Zu dem Zeitpunkt rechnete die MySugr App 8,6%. Ohne ein Blick auf meine Dokumentationen zu werfen durfte ich mir eine Standpauke anhören, die es gewaltig in sich hatte. Ich sollte regelmäßig essen, nicht selbstständig mein Toujeo auf 36iE erhöhren, um weniger Humalog spritzen zu müssen und andere würden an solchen Tagen und mit solchen Werten auch arbeiten gehen. Eine Pumpentherapie unterstützt er erst bei einem HbA1c unter 8% und auf Wunsch der Patientin wird das Basalinsulin von Toujeo auf Levemir umgestellt, obwohl das auch eigentlich egal ist! Ich war sprachlos und sowieso schon am weinen während er das Zimmer verließ. Meine Diafee hat mich anschließend in dem Arm genommen…

Das Basalinsulin erhöhen um weniger Insulin am Tag spitzen zu müssen?

Was ist das bitte für eine Unterstellung? Selbst wenn wir Diabetiker meistens am besten wissen, was gut für uns und unsere Therapie ist – nicht eine Einheit dieser Erhöhung auf 36iE Toujeo habe ich selbstständig entschieden. Ohne ein Blick in meine Dokumentationen weiß er wann ich wie und vor allem, dass ich nicht regelmäßig esse? Toujeo und Levemir sind gleich? Klar, auch mit Levemir bekomme ich mein Dawn-Phänomen nicht in den Griff, aber zu mindestens artet es nicht mehr bis in die 400 aus.

Ich bin zusammen gebrochen, habe geweint und jetzt bin ich einfach nur noch entsetzt

entsetzt, über die gesamte Situation, über diese Umgangsweise, diese eher einseitige Kommunikation. Ich dachte Ärzte würden patientenorientiert arbeiten, auf jeden Fall habe ich dies in meiner Ausbildung gelernt und mir würde im Traum nicht einfallen nur ansatzweise einen meiner Patienten so zu behandeln, das dazu!

Jetzt… fühle ich mich nur keineswegs besser. Nach diesem Vorfall hab ich meinen Diabetes irgendwie links liegen gelassen, mich allein und vor allem aufgeschmissen gefühlt. Wieso dokumentiere ich monatelang, wenn es sowieso umsonst ist? Wozu gebe ich mir Mühe, wenn mein Diabetologe mich nicht in meinem Therapieziel unterstützt? Ich hätte vorletzte Woche einen Termin zur Blutentnahme gehabt, bin aber nicht hin, weil… weil ich genau weiß, welche Gefühle mich wieder einholen, die ich gerade so gut ausblende, ebenso wie meinen Diabetes.

14 Comments

14 Comments

  • Kathy

    Ich kenne sowas ziemlich gut, bei mir ging es zwar um was anderes aber auch ich hab mich ziemlich unverstanden gefühlt. Jetzt werde ich den Diabetologen wechseln denn es kann auch sxhonmal dauern bis man „seinen“ gefunden hat!

  • Marcel

    Irgendwie kommt mir da der Wunsch nach der Pumpe noch sehr bekannt vor.
    Dies hatte ich 2004 erlebt. Gut das du mich ma wieder auf eine Themenidee gebracht hast

  • Lea

    Liebe Sassi,

    An deiner Stelle würde ich den Diabetologen wechseln – kein Mensch hat das Recht, dich so anzugreifen, egal ob nun Arzt oder nicht!

    Du darfst dich nun aber nicht unterkriegen lassen.
    Wenn du dich nicht mehr um den Diabetes kümmerst, triffst es doch nur dich selbst.
    Aber was bringt es, gegen sich selbst zu rebellieren?
    Sei stark und denk‘ an deinen Körper!
    Und bleibe dabei, alles ordentlich zu dokumentieren – gerade, wenn du eine Pumpe haben möchtest, ist das sehr wichtig! <3

    • Sassi

      Einfach danke danke danke, Lea ♥
      Deine Worte sind wirklich aufbauend und erinnern mich an das Wichtige, daran worum ich mich kümmern muss und nicht aufgeben darf. Danke dir. ♥

  • Judith

    Ich bin so froh, das zu lesen!
    Also nicht froh darüber, wie es dir ergeht, sondern dass ich nicht alleine bin. Ich fühle mich oft missverstanden bzw. nicht zugehört. Man wird behandelt wie einen Maschine. Wenn man das macht und das Insulin und dies und das und jenes, dann geht das auch alles, man müsse nur konsequent sein und bisschen drauf achten ( als wäre das alles ein Klacks)
    Pff.. mein hba1c ist bei fast 10 und ich bekomme es einfach nicht in den Griff! Habe somit fast auch Lust mein Diabetes an der Seite liegen zu lassen. Manchmal frag ich mich: was wisst ihr schon?! Ihr Ärzte habt es studiert, gut, aber wir, ja wir HABEN es und das ist noch einmal ein ganzes Stück mehr! Ich will nicht rumjammern. Aber wenigstens versuchen uns ein Ohr zu schenken, ist doch nicht zu viel verlangt oder?!
    Ich fühle mit dir! ??

    • Sassi

      Hallo Judith,

      ich bin froh dein Kommentar zu lesen ♥ Vor allem weil mein HbA1c momentan bestimmt auch den Rahmen sprengt… und ich am liebsten meinen Diabetes zum Fenster rausschmeißen möchte, aber diese Klette lässt sich ja auch nicht abwimmeln, also sollten wir weiterhin dran bleiben. Wir sprengen unseren HbA1c wieder nach unten und die Motivation erzielen wir aus dem gemeinsamen Rumgejammere, Hauptsache gemeinsam! :)

      Ich wünsche dir alles Gute! ♥

  • Tim

    Hallo Sassi,

    dass du bei so einer Reaktion deines Diadoc erst mal fertig bist, kann ich gut verstehen. Vielleicht hatte er einen schlechten Tag, Stress zu Hause, der Patient vor dir war ziemlich nervig oder was auch immer. Was es ihm aber nicht erlaubt, das an dir auszulassen!

    Ich finde, was er sich da geleistet hat, geht gar nicht. Mal ganz vom anscheinend auch nicht gerade angemessenen Ton abgesehen.
    Klar, regelmäßig essen. Im Schichtdienst, im Krankenhaus: „Tschuldigung, könnten Sie bitte in einer Viertelstunde noch mal kollabieren? Mein Arzt hat gesagt, ich soll regelmäßig essen.“
    Es mag sein, dass andere mit 300er Werten noch arbeiten gehen (ich bis zur Diagnose ja auch unbewusst mit geschätzten 500er Werten). Muss man aber nicht unbedingt empfehlen (auch aus dieser eigenen Erfahrung nicht). Zwischen Büroarbeit und „Dienst am Patienten“ gibt es ja außerdem einen Unterschied: Ich hätte es als Patient gerne, dass die Krankenschwester, wenn es bei mir ein Problem gibt, nicht erst mit sich selbst zu tun hat.
    Du kannst ihn ja jedes Mal, wenn du einen Faktor oder das Basal änderst, vorher anrufen. Da wird er schnell merken, dass sein Telefon ziemlich oft klingelt…
    Ist die Pumpe nicht dann angebracht, wenn die Methoden der ICT ausgeschöpft sind? (Sagt doch auch die Krankenkasse so in etwa.) Und das würde ich bei täglichen 300er bis 400er Nüchternwerten als medizinischer Laie mal annehmen. Für ihn soll also die bisherige Therapieart erst mal besser funktionieren, damit du dann die Therapieart wechseln darfst…? Und Schichtdienst dürfte ja auch ein Pluspunkt für die Pumpe sein.

    Kurz gesagt: Ich würde mich nach einem anderen Arzt umsehen. Sofern das nicht der einzige im Umkreis von 100 km ist. ;-) Wäre zwar schade um die Diafee, aber vielleicht bleibt ihr ja weiter in Verbindung.
    Eigentlich sollte ein Diabetologe – zumindest in meinen Augen – da sein, um dich zu unterstützen, ein zweites Augenpaar auf deine Therapie zu haben und medizinische Ratschläge zu geben, z. B. bei Dingen, die man als Laie einfach nicht kennt oder die ihm in langjähriger Praxis begegnet sind. Aber wenn du bei jedem Termin eigentlich nur einen auf den Deckel bekommst und Angst hat, führt das sicher nicht zu einem guten Ergebnis. Das haben ja zum Glück auch die meisten Pädagogen in den letzten 100 Jahren gelernt. ;-)

    • Sassi

      Hey Tim,

      danke für deine Worte, vor allem auch noch mal die Erwartungen die jeder an eine ex. Krankenschwester hat. Ich hatte nach dem Praxistermin sogar ein schlechtes Gewissen, mich für den Tag krank gemeldet zu haben und in Frage gestellt, ob ich nicht hätte doch arbeiten gehen sollen, deswegen tut es nochmal gut zu lesen das es richtig so war.
      Ich weiß ehrlich gesagt noch gar nicht was ich zukünftig machen soll. Vielleicht vereinbare ich einen Termin und versuche noch mal meine Perspektive zu schildern, vielleicht hatte er wirklich einen schlechtes Tag, wie du schon sagst und wir kommen auf einen gemeinsamen Nenner, denn meine Diafee möchte ich ungerne verlieren…

  • Sören

    Der Typ ist doch kein Diabetologe, wenn er so mit seinen Patienten umgeht!

    Pumpentherapie ab nem HbA1c von 8 (und darunter) macht doch gar keinen Sinn – die Pumpe soll Dir doch dabei helfen, den HbA1c unter 8 zu bringen. Gerade, wenn Du mit nem 300er aufwachst und im Libre sehen kannst, wies ab einer bestimmten Zeit ansteigt, sollst Du doch dann mit der Pumpe mehr Insulin bekommen, um eben nicht mehr mit 300 sondern 150 aufzuwachen… Vollpfosten Diabetologe!

    Ganz ehrlich: Such noch einmal das Gespräch und danach nen neuen Diabetologen!

  • Beate

    Unabhängig davon, dass du Diabetes hast: du hast dich nicht als arbeitsfähig betrachtet. Wer außer du selbst soll das denn beurteilen können? Was ein Quatsch und eine Unverschämtheit. Ich hab das Thema als Aufreger der Woche gerade bei mir auf dem Blog genommen https://beateputzt.wordpress.com/2016/07/06/aufreger-der-woche-ungerechtfertigte-vorwuerfe-des-arztes-meine-gedanken-zum-beitrag-von-diafeelings/

    Viele liebe Grüße!

    • Sassi

      Hey, wirklich ein toller Beitrag und du hast Recht, wir sind unsere besten Experten für unsere chronische Krankheit und ich ärgere mich, dass ich mich so hab unterbuttern lassen…

  • Susi

    Hallo,
    ich bin entsetzt und kann mich den anderen hier nur anschließen: Sofort! den Diabetologen wechseln!
    ich kann dir nur mal berichten, wie es bei mir läuft und ich bin so unendlich dankbar dafür. Meine aller erste Diabetologin war ein absoluter Glücksgriff, hat mich IMMER wirklich toll betreut und dabei meine Meinung einbezogen (wie schon erwähnt wurde, sie sind die Ärzte, aber wir haben es), in schwierigen Zeiten, wie meinen zwei Schwangerschaften war ich Dauergast, kein Wehwehchen zu unbedeutend, keine Lösung undenkbar (ich habe sofort die Pumpe bekommen, weil meine Ärztin sich so engagiert hatte und auch einen Vertreterin der Krankenkasse eingeladen hatte, um alles zu besprechen, sie hat mit mir SOFORT um eine Kur gekämpft) ich hatte ihre private Handynummer, damit ich sie im Notfall immer anrufen kann (für den Fall, dass ich mich im Krankenhaus von den Ärzten bezüglich Diabetes nicht verstanden fühle und das war leider jedes Mal so). Ohne diese Ärztin hätte ich das alles gar nicht gemeistert und es ist so toll das es sie gibt. Mittlerweile ist auch meine große Tochter bei ihr in Behandlung, aber das nenne ich Ärztin mit Leidenschaft und Herz. Und bitte bitte suche genau nach so einem Arzt auch für dich, es gibt immer mal Situationen mit dem Diabetes, die uns fertig machen, da muss der Arzt nicht noch einen drauf setzen, sondern man muss sich verstanden und gut aufgehoben fühlen.
    Nur als Aufruf sich damit auf gar keinen Fall zufrieden zu geben!

  • Catrin

    Hallo Sassi,
    genau so erging es mir vor einem halben Jahr. Der Ton wie mit uns Patienten manchmal geredet wird, geht garnicht, wir sind Menschen und keine Maschinen, wir leben, wir haben nicht nur den Diabetes zu managen und geben jeden Tag unser Bestes ! Man sollte den Menschen betrachten und nicht den Lehrbuchverlauf. Mein damaliger Diabetologe sagte mir direkt ins Gesicht…“gottseidank sind sie nicht schwanger…puhhh…“ . Sie müssen mehr messen und sich besser anstrengen, war seine Aussage. Kein Blick ins Dokubuch, keine Fragen warum und wie es mir geht…Nur anhand des HbA1C seine Schlüsse gezogen. Danke für Ihre professionelle Unterstützung – dachte ich….völlig aufgelöst und auch heulend beschloss ich mir noch den Quartalsbedarf an Rezepten zu holen und umgehend den Arzt zu wechseln…weil es nicht das erste Mal war. Und das erste was ich bei meiner neuen Diabetologin als Frage bekam…wollen wir nicht eine Pumpe beantragen. Ich hatte sofort ein gutes Gefühl und bin über meine Wechsel froh…
    Ps. bei meinem alten Diabetologen hätte ich im ersten Jahr meiner Erkrankung auch keine Pumpe von ihm verordnet bekommen. Ich bin auch beruflich in der Medizin tätig und habe den Blick auf unsere Patienten völlig verändert bekommen wenn man selbst betroffen ist und auf Hilfe angewiesen ist. Also Kopf hoch – durchatmen – und eine Entscheidung treffen, bei Wiederholungstätern – Konseqenzen ziehen…..VG Catrin

  • Andrea Lie

    Das musst du dir nicht antun! Wechsele sofort zu einem Arzt, dem du vertrauen kannst. Ich habe 1984 meine erste Pumpe 1984 (dank meines Bruders, der damals in der Facharztausbildung war). Meine HbA1C Werte sind erst seit 3 Jahren unter 8. Durch hormonelle Regelprobleme war eine Regulation nur schwer möglich. Allein in meiner Schwangerschaft habe ich täglich ca. 150 Einheiten benötigt! Lass dich nicht verunsichern! Du kennst deinen Körper und weißt, was du machen musst! Sehr vernünftig, nicht zur Arbeit zu fahren, wenn es dir nicht gut geht! Alles Gute! ☺

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