Feelings

Worte und Gedanken – Stay positive

..können am besten die Menschen sagen, deren Betazellen einwandfrei Insulin produzieren. Und manchmal kann man es einfach nicht hören oder man wünscht es sich sogar zu hören. Also ich für meinen Teil mache da große Unterschiede, wie ich etwas wahrnehme, höre, aufnehme und mir über das gesprochene Wort sogar noch Gedanke mache. Ich muss zugeben, es ist auch unglaublich abhängig von der zwischenmenschlichen Ebene, die Menschen miteinander verbinden kann und dem nach können die selben Worte von unterschiedlichen Personen auch ganz unterschiedliche Gefühle hervorrufen. Vielleicht ist es stigmatisierend, aber von Diabetikern fühle ich mich grundsätzlich besser verstanden, objektiv ist das vielleicht gar nicht der Fall, aber subjektiv ist das so. Punkt. Auch von bestimmten Freunden zu hören „Ich bin stolz auf dich“ oder „Sassi, nimm dir mal wieder Zeit für dich“ ist für mich effektiver als das „Gemeinsam schaffen wir das schon“.

Jetzt mal ehrlich. Diabetes, gemeinsam? Vielleicht habe ich mit diesen Worten schlechte Erfahrungen gemacht, ich weiß nicht, aber wenn meine Mama mir damals was von Gemeinsam erzählt hat, war ich doch am nächsten Tag in der Schule wieder alleine und am Wochenende auf der Party war sie auch nicht da. Also immer wenn mir Jemand was von gemeinsam erzählen möchte, baut sich wie eine kleine Mauer um meine Persönlichkeit auf, die das Wort Gemeinsam und die Definition davon vollkommen in Frage stellt. Geht das auch präzisier? Ich meine klar kann niemand 24/7 mit mir zusammen meinen Diabetes versorgen und sehr wahrscheinlich will ich das auch gar nicht, aber nur ich bin diejenige die sich abends vor dem Schlafengehen Gedanken darum macht, wie der BZ ist. Da gibt es kein gemeinsam.

Daraus entwickelten sich meinerseits auch echt negative Gedanken, also ich kann mich an Situationen erinnern, wo ich beim Diabetologen war und mir grundsätzlich die Frage gestellt wurde: „Saskia wieso misst du denn nicht?“ Mal ganz davon abgesehen, dass ich gar keine Antwort darauf wusste, hätte ich demjenigen am liebsten erwidert, dass er doch gar kein Diabetes hat und gar nicht wissen kann wie das ist.

Wie geht man am besten damit um? Was man hören will, was man nicht mehr hören kann…

Ich kann natürlich nur für mich sprechen, aber ich glaube sehr entscheidend ist, ganz abgesehen von persönlichen Eigenschaften, wie sehr man den eigenen Diabetes unter Kontrolle hat. Natürlich gibt es immer Situationen die aus dem Rahmen fallen, aber prinzipiell lasse ich das gesprochene Wort nicht so sehr an mich heran. Ich lasse mir nicht irgendwelche Süßigkeiten verbieten oder mir Diätratschläge geben. Ich weiß, dass ich mich nicht rechtfertigen muss und dann schaue ich mir die Situation aus einer anderen Perspektive an.

Mit wem spreche ich? Warum hat mein Gegenüber dieses Kommentar erwähnt? War es wirklich nur ein gut gemeinter Ratschlag mit mangelndem Hintergrundwissen? Zeigt derjenige Interesse darüber aufgeklärt zu werden? Hat derjenige eventuell Interesse an meiner Person und meinem Wohlbefinden? Jetzt kann ich mich auf das Gespräch einlassen, ohne mich persönlich angegriffen zu fühlen. Ich habe also eine beschützende Distanz geschaffen, die ich durchaus legitim finde. Wie oft habe ich mich mit Kommentaren und der Unwissenheit anderen Menschen auseinander gesetzt. Warum soll ich mir vor dem Schlafengehen darüber Gedanken machen? Tut das der andere auch? Ich denke nicht. Also ich mittlerweile auch nicht mehr und ich hoffe ihr auch nicht.

Davon ab muss ich euch noch unbedingt daran teil haben lassen, dass ich schon 4 von 7 Prüfungen meines Examens bestanden habe und zu 2/3 nun examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin bin, mein Koffeinkonsum ist immer noch erhöht, aber meine Werte lassen sich unglaublich flexibel auf die Prüfungszeit ein und machen mir diesbezüglich nicht mehr Aufwand wie vorher auch :)

Liebste Grüße

4 Comments

4 Comments

  • Lisa

    Ein wundervoller Beitrag, sooo toll geschrieben, dass ich jedes einzelne Wort genau so unterschreiben würde. Ich würde jedoch von mir behauptenl, dass ich mich selbst aus dem „Geimsam“ ausschließe. Wenn mir jemand mit Diabetes und „gemeinsam“ kommt, denke ich „ja, mach du mal, ich bin dann mal raus“ und andere machen sich oft mehr Sorgen um meine Werte. Ich kann das alles manchmal sehr gut ausblenden.
    :*
    Herzlichen Glückwunsch noch mal zu deinen Prüfungen und – wundertolles Foto <3

    • Sassi

      Hey
      Irgendwie muss ich sogar zugeben, dass ich eigentlich gerne hören möchte, „Wir schaffen das gemeinsam“. Enttäuschend finde ich nur, dass mir dann doch keiner den Diabetes abnehmen kann und dann ist es zeitgleich deprimierend und demnach will ich gar nichts von dem Gemeinsam hören..
      Noch mal Dankeschön und das Foto ist ja für deine Aktion :*

  • Beate

    Gut geschrieben Sassi :)

    • Sassi

      Vielen lieben Dank :)

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