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Diabetes Typ F

T1D Projekt: Diabetes auf Zeit

08.07.2018

Diabetes auf Zeit. Das wär’s, oder? Ich habe das Glück keinen Diabetes zu haben, aber seit etwas mehr als 7 Jahren lebe ich mit der Diagnose Diabetes Typ F (Freunde & Familie). Ich glaube vielen Typ F’lern ist es gar nicht wirklich bewusst, welche Ressource sie im Alltag für Typ 1 Diabetiker sind oder sein können und deswegen entschied ich mich für einen Selbsttest. Ein Test, der sensibilisiert und mich besser verstehen lässt, was manchmal in Saskia vor geht.

Vom Typ F zum Typ 1 Diabetiker

Die einzige Möglichkeit herauszufinden, wie es ist Diabetes zu haben, ist wohl so zu tun als hätte man Diabetes. Letzte Woche Sonntag begann also unser Projekt: “Aus Typ F wird Typ 1”. Nach einigen Vorbereitungen hat Saskia mir einen Dexcom G5, am linken Oberarm gesetzt. Zusätzliche habe ich zwei alte Pens von ihr bekommen und dokumentiere alles in der mySugr App. Meine ICT-Regeln sind ganz einfach: KE-Faktor 1:2, Korrektur-Faktor: 1:40, Basalinsulin abends 14 iE. Auf ins Abendteuer! Ich war neugierig wie es wohl sein mag 24/7 einen Fremdkörper an mir zu haben. Ich muss ständig Kohlenhydrate in KE’s umrechnen, mit meinem KE-Faktor multiplizieren und dafür Insulin injizieren. Pennadeln wechseln (und Benutzte richtig entsorgen), SEA einhalten und mich um Quartalstermine und Rezepte kümmern. Natürlich habe ich keine Konsequenzen, aber das Ziel dieses Projektes ist, sich mit der psychischen Belastung auseinanderzusetzen. 

Was ich mir spritze?

Gar nichts. Ich habe eine leere Ampulle in dem Pen, damit ich die Nadeln drauf drehen kann. Der Kolben ist allerdings nicht bis zu Anschlag ausgefahren. Also punktiere ich zwar, aber simuliere nur eine Injektion, ohne das Insulin oder irgendeine Flüssigkeit in mein Unterhautfettgewebe kommt.

Eindrücke der ersten Woche mit Diabetes

Kohlenhydrate berechnen

Nun bin ich schon seit einer Woche Typ 1 Diabetiker. Eine Woche in der ich schon so viele Eindrücke gesammelt habe, dass es mir schwer fällt, dass alles festzuhalten. Es ist unglaublich viel worauf man im Alltag alles achten muss und wo überall Kohlenhydrate drin sind. Als Typ F’ler bekommt man ja schon einiges mit, aber an all das selbst zu denken ist noch mal was ganz anderes. Vor jeder, aber wirklich jeder Mahlzeit die KE’s zu berechnen oder abzuschätzen kostet einfach Zeit und Nerven! Ich kannte das ja, zwischendurch sagt Saskia auch mal: “Schatz, guck mal eben nach den Kohlenhydraten”, aber oftmals bekomme ich das gar nicht mit, worum sie sich Gedanken macht, während ich schon ins Essen beiße. Ich sehe gerade die Berechnung von KE’s mit als schwierigste Herausforderung im Diabetesleben an. Es ist Verantwortung. Die Kohlenhydrate müssen richtig berechnet werden, das Essen muss richtig abgewogen werden oder wenn man auswärts isst, muss es so passend wie möglich geschätzt sein. Wenn nicht – tja, dann hat man den Salat. Und auch wenn ich die Hyper- und Hyposymptome nicht nachempfinden kann, sind es die, die Zeit, Nerven und Lebensqualität rauben!

“Schatz? Hast du alles dabei?”

Eigentlich stelle ich ihr immer diese Frage. Jetzt haben wir den Spieß umgedreht und ich muss bei meiner ICT an mehr denken, als Saskia mit ihrer Pumpe. Mit eines meiner ersten Erlebnisse war, dass ich mein Insulin im Auto liegen gelassen habe. Wir waren in der Stadt und sind durch die Geschäfte gebummelt und haben uns beim Bäcker ein Kaffee und Brötchen geholt. Als wir anfingen über die KE’s zu sprechen fiel mir auf, dass mein Insulin im Auto lag. Wir mussten also unseren Stadtbummel unterbrechen, zurück zum Auto laufen und mein Insulin holen. Das passiert mir so schnell nicht nochmal! Gut, dass mein Auto im schattigen Parkhaus stand. Bei den Temperaturen momentan hätte es ja auch durchaus möglich sein können, dass das Insulin zu warm geworden und kaputt gegangen wäre.

Aber wohin mit dem ganzen Zeug?

Ihr Frauen schmeißt das in eure Handtaschen, klar. Aber als Kerl? Wohin damit? Ich habe jetzt erst mal mein Portmonee und meine Schlüssel aus meiner Bauchtasche raus genommen und dafür Pen, Messgerät und Traubenzucker rein. Gut, dass ich es gewohnt bin eine Bauchtasche zu tragen, aber was wäre, wenn dem nicht so wäre? Wo kommt der ganze Kram hin auf Festivals, Konzerte oder bei der Arbeit? Nennt mir mal eure Alternativen. Für mich sind das gerade alles Punkte, mit denen ich mich zuvor nie beschäftigt habe. Gedanken die man sich als Typ F’ler niemals machen würde.

↓ Für jeden Milchkaffee muss ich 3 KE berechnen

..und bei jeder Injektion muss ich die Nadel wechseln ↑

Ich weiß noch aus Saskia’s Pen’ner Zeiten, dass Nadeln wechseln ein leidiges Thema war. So auch bei mir. Zuerst dachte, dass es überflüssig wäre, nach jeder Injektion die Nadel zu wechseln. Im Gegenteil. Die werden echt stumpf und die Punktion tut wirklich weh mit einer stumpfen Nadel. Aber nicht nur das. Die Benutzten Pennadeln müssen ja auch irgendwo hin. Zu Hause habe ich nun so einen Abwurfbehälter, unterwegs mache ich eigentlich was, was nicht erlaubt ist. Recapping! Ich setze einfach die Schutzkappe der neuen Nadel auf die der Benutzten und lasse das so in meiner Messgerättasche, bis ich abends zu Hause bin. Wie macht ihr das unterwegs?

Technik die begeistert – oder auch nicht

Mit eines der ersten Dinge die ich wollte: meine Werte auf meiner Uhr sehen. Ich glaube bei jeder anderen Smartwatch ist es möglich, nur nicht bei der Gear S3 von Samsung. Darauf ist nämlich nicht das bekannte Androidsystem, sondern ein anderes, von Samsung entwickeltes Betriebssystem mit dem Namen “Tizen”. Ärgerlich! Ich bekomme also nur Push-Benachritungen von Dexcom auf die Uhr, mehr nicht.

Auch leider nicht möglich sind Screenshots der Dexcom App mit meinem Samsung S9. Das Androidsystem verhindert dies auf Grund der Datenschutzrichtlinien. Achso und bei IOS ist das egal? Schade, weil auch wenn es für Typ 1’er nicht wirklich wichtig ist Screenshots zu machen, ich während des Projekts gerne mehr von meinen Werten mit euch geteilt hätte.

Was mir wirklich gefällt ist die mySugr App. Dadurch das ich das Contour Next One Messgerät mit der App verbunden habe, bin ich automatisch zum Pro geworden und kann nun alles innerhalb der App benutzten. Handschriftlich hätte ich da überhaupt gar keine Lust drauf, aber so gefällt es mir. Besonders wegen dem Projekt trage ich dort auch all meine Werte, Kohlenhydrate und Ereignisse immer ausführlich ein. Wenn daran Interesse besteht, stelle ich euch gerne zum Ende des Projekts hin den Export zur Verfügung. Schreibt dafür eine kurze Nachricht, am besten über das Kontaktformular.

Jetzt geht es in die zweite Woche

Die kommende Woche wird etwas intensiver. Ich möchte gerne meinen “neu-erworbenen” Diabetes auf der Arbeit ansprechen. Eigentlich ist es verboten, dass Handy bei sich zu führen, aber was ist, wenn ich darauf angewiesen bin? Außerdem will ich etwas aus der Komfortzone raus und mich mit meinem Umfeld auseinandersetzen. Wie sind wohl die Reaktionen der Öffentlichkeit, wenn ich mir mitten im Café Insulin geben muss? Ich plane also noch weitere Erfahrungen zu sammeln und auch einen Beitrag über die psychische Belastung und was sich für mich verändert hat.

Postprandiale Werte eines “Gesunden”


Unerwartet hat sich das T1D Projekt noch etwas weiterentwickelt. Wie schauen meine Werte nach bestimmten Lebensmitteln aus? All eure Vorschläge habe ich schon auf meine To-Do-Liste gesetzt und arbeite die nach und nach ab. Ich poste die Lebensmittel und Werte immer auf Instagram, aber um das übersichtlicher zu machen werde ich abschließend eine Zusammenfassung schreiben, mit Clarity-Screenshoots. Warum ich mir diese Arbeit mache? Weil ihr, Typ 1 Diabetiker, manchmal gar nichts für eure Werte oder Schwankungen könnt. Auch meine Linie ist nicht gerade, besonders nicht nachts. Teilweise lauft ihr sogar besser mit euren Basalraten. Also ist es doch bestimmt eine Erleichterung, genau das mal schwarz auf weiß zu sehen.

So lange das Projekt noch läuft nehme ich also gerne noch weitere Vorschläge an. Schreibt mir dafür am besten über Instagram @typefdiabetic, dort teile ich auch fortlaufend alle Erlebnisse und Erfahrungen ✌🏼

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